Freitag, 3. März 2023

Neubeginn

Einer nach dem andern

Bei seinem ersten Auftritt ist der Erzähler der vier Bücher in einem Stadium des Neubeginns, der mit einem Absturz beginnt. In der Hoffnung, über die besonders ungute Zeit hinwegzukommen, war er nach Wien gefahren, hat dort aber keinen Menschen angetroffen, mit dem er sprechen konnte, nur mit den Dohlen in den Rathausanlagen hatte er hatte er einige Worte wechseln können. Aufs Ganze gesehen, in der Entwicklung der vier Bücher, leidet der Erzähler aber nicht an einer zu geringen, sondern an einer zu großen Menschenschar. Er läßt die Karte für die Nabucco-Aufführung verfallen, unschlüssig sich unter ein Publikum zu mischen, in Venedig angelangt fährt er beim Anblick der dort versammelten Touristenscharen gleich weiter. Bei den zahlreichen Begegnungen mit Austerlitz ist nie ein Dritter anwesend. Allein oder zu zweit, das ist seine Vorliebe. In Limone sitzt das Ferienvolk draußen auf der Terrasse, er sitzt in der Gaststube, Luciana wirtschaftet hinter der Theke, hat ihn im Auge, wechselt Worte mit ihm und versorgt ihn mit Espresso. Gemeinsam mit Aurach diniert er im Wadi Halfa, daß ein dritter an ihrem Tisch Platz nehmen könnte, ist nicht vorstellbar. Viele andere Beispiele dieser Art wären noch zu nennen. Besucht er Eheleute, kommen sie nacheinander zu Worte. Die Lina erzählt ihm alles, was sie vom Onkel Adelwarth weiß, dann lädt ihn der Kasimir zu einer Autofahrt in der Umgebung ein. Michael Hamburger erzählt umfänglich, als seine Frau Anne aus dem Mittagsschlaf erwacht, übernimmt sie das Wort. Aus dem Rahmen fällt der Besuch bei den Ashburys, gleich fünf Personen stellen sich hier ein, die Mutter, drei Töchter und der Sohn. So gut wie nie aber trifft man sie zugleich an, rastlos wandern sie in den Korridoren herum oder gehen ihren mehr oder weniger sinnlosen Beschäftigungen nach. Edmund zimmert sei Jahren an einem Boot herum, das nie wasserfest sein wird, Catherin, Clarissa und Cristina erzeugen Textilien, die immer unverkäuflich bleiben werden, und Mrs. Ashbury sammelt zu ihrem Vergnügen Blumensamen in Papiertüten. Der Erzähler ist positiv beeindruckt von ihrem, wie er sagt, von Tag für Tag unschuldiger werdendem Leben. Die Ashburys sind keine gewöhnlichen Menschen, fast schon Fabelwesen, für die die üblichen Regeln nicht gelten. Man muß sie nicht vereinzeln.

 

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