
Nach der Natur
Schwindel.Gefühle
Die Ausgewanderten
Die Ringe des Saturn
Austerlitz
Logis in einem Landhaus
Campo Santo
Weitere Veröffentlichungen
Kleine Sebaldstücke

si. Eine Fernsehsendung der BBC, über der er einschläft, läßt Selysses und uns in einer Art Wiedergutmachung auf den Spuren Joseph Conrads bis nach Sibirien und dann ins Herz der Finsternis am Kongofluß reisen. Wir lernen Chateaubriand und Swinburne besser kennen, als wir sie bislang kannten, Thomas Browne vor allem auch und Edward FitzGerald, viele bizarre Gestalten sodann, von denen wir zuvor noch nie etwas gehört hatten, wie den Major George Wyndham Le Strange in einer Art Trauermantel aus verschossenem veilchenblauen Taft mit vielen Knöpfen und Ösen, oder Alec Garrad, der den Tempel von Jerusalem in verkleinertem Maßstab naturgetreu nachbaut und schon lange Jahre damit beschäftigt ist. Wir erfahren mehr über den Hering, als wir je zu träumen wagten. All das macht uns glücklich trotz der vielen schrecklichen Dinge, die wir vor allem hören müssen. Ein Faden hält alles zusammen, der endlose, den der Seidenwurm spinnt. Das ganze letzte Kapitel ist diesem Lebewesen gewidmet, das zu den unscheinbarsten überhaupt zählt.
des Vicomte de Chateaubriand und des Algernon Swinburne in den Ringen des Saturn hängen, wenn sich denn auf der englischen Wallfahrt ein Anknüpfungspunkt ergeben hätte. Mörike, noch mehr aber den zwei Schweizerbürgern Keller und Robert Walser und dem Schweizergrenzbürger Hebel nähert sich Sebald mit der tiefen Liebe des Dichterfreundes aber auch mit dem Handwerkszeug des Literaturwissenschaftlers. Der letzte Aufsatz betrifft Jan Peter Tripp und auch der hat eine Sonderstellung, einmal weil Tripp nicht Literat, sondern Maler ist und zum anderen, weil er ein Freund Sebalds zu Lebzeiten war, diesseits der Trennlinie des Todes, einer immer erwähnenswehrten Linie, auch wenn Sebald sie für die Toten nach Möglichkeit durchlässig gestaltet hat.
Mir gegenüber saßen eine Franziskanerin von vielleicht dreißig oder fünfunddreißig Jahren und ein junges Mädchen mit einer aus vielen farbigen Flecken geschneiderten Jacke um die Schultern. Das Mädchen war in Brescia zugestiegen, die Franziskanerschwester hatte in Desenzano bereits im Zug gesessen. Die Schwester las ihr Brevier, das Mädchen, nicht minder versenkt, einen Bilderroman. Von vollendeter Schönheit waren sie beide, dachte ich mir, abwesend und anwesend zugleich, und ich bewunderte den tiefen Ernst, mit dem sie jeweils die Blätter umwendeten. Einmal blätterte die Franziskanerschwester um, dann das junge Mädchen und dann wieder die Franziskanerschwester.