Sonntag, 3. August 2025

Wärme und Kälte

Hitze und Wärme

 

Zapalilem drugiego papierosa i patrzylem, jak pada snieg, er hatte eine zweite Zigarette angezündet und schaute, wie es schneite und schneite, wie der der Schnee fiel und fiel. Die Zigarette und der Schnee, Wärme und Kälte, daran ist er gewöhnt an diesen Wechsel. Nicht selten aber ist die Kälte unerträglich oder auch die Hitze, überwiegend kann er aber zufrieden sein mit der gelinden Wärme am Tag oder der gelinden Kühle in der  Nacht. Wenn die Wärme zu Hitze wird oder die kühle zu Eis, kann er naturgemäß nicht zufrieden sein. In der weit zurückliegenden Vergangenheit hat es immer Zeiten großer Hitze und Zeiten großer Kälte gegeben, seit langen aber, so heißt es, ist die Kälte fast warm und die und die Wärme fast heiß, man versucht das zu mildern und zu überwinden, es ist an der Zeit. Viele Menschen, aber längst nicht alle, können sich zunächst mit Heiz- oder Kälteapparaten helfen, die Tiere haben nicht diese Möglichkeiten, die einen erfrieren, die anderen verrotten. Er raucht seine dritte Zigarette und denkt nach, während er die dritte Zigarette raucht. Er raucht seine Zigarette und denkt.

Freunde

 

 

Janek und Edmund kannten sich nicht, sie hatten sich jetzt aber kennengelernt, sie kamen aus verschiedenen Gegenden zum Holzfällen um das nötige Geld für dieses Jahr zu erarbeiten. Sie waren Männer verschiedener Herkunft und verschiedener Erwartungen und verschiedener Vorstellungen von der Welt und dem Leben und sie waren schon in der kürzesten Zeit nach dem Kennenlernen Freunde geworden, sie würden über das Jahr während der gemeinsamen Arbeit des Holzfällens Freunde bleiben, ein Wiedersehen im nächsten Jahr wäre für sie mehr als erfreulich, sie würden sich in die Arme nehmen und freudig lachen. Traurig war für sie andererseits die jeweils lange Zeit der Entfernung von ihren Frauen, die sie liebten, die zwei Frauen hatten voneinander gehört, die Männer hatten von der jeweiligen Frau erzählt, die Frauen kannten einander nicht. Edmund war ein  Schriftsteller, der von seiner Schriftstellerei nicht leben konnte und daher ergänzend die Holzfällerei ausübte, Janek weiß nicht einmal, was ein Schriftsteller ist, die Unterschiede der beiden beeinträchtigte sie aber nicht. Sie kennen beide die Schönheit des Genusses von Wein und Whisky und besorgen Wein und Whisky, wann immer es möglich ist. Janek ist kleinwüchsig aber oho, wenn es zu Schägereien kommt, ist immer er der Sieger, er ist angstlos. Die Schlägereien mag er nicht, angstlos vermag er Streitereien schlichten. Von Edmund gibt es einige Photos, von Janek gibt es kein einziges Photo. Janek vermark Streitereien schlichten, Schlichten ist ihm lieber als Streiten, nicht etwa daß er Angst vor Streitereien hätte.  

Gestern

Morgen

 

Die Menschheit hat, so sagt man, mit Jesus Christus begonnen, vorher hatte es allerdings bereits Sokrates und Gilgamesch gegeben, das müssen wir aber nicht ernstnehmen, unser Blick war seit jeher nach vorn gerichtet. Die Entwicklung ging Schlag auf Schlag voran, am Jahresende konnte man jeweils den Fortschritt bewundern. Zunächst war der Fortschritt jeweils nur von Fachleuten beobachtet und zum nächsten Jahresende nächsten Fortschritt verbucht. Der Fortschritt war rasant, der Kutsche folgte das Auto, dem Auto das Flugzeug und so weiter, es geht ständig voran. Man lebte nicht mehr allein in Deutschland, sonders alle Jahre auch in Frankreich oder in Südamerika oder sonstwo. Inzwischen fragt man sich aber, ob man sich nicht selbst und unsere Welt überfordert hat, der Einzelne denkt kaum daran, er wird ohnehin sterben und bis zu seinem Tot wird er wohl durchhalten, so denkt er. Kinder gibt es immer weniger, sie sind ohnehin nur eine Last, man muß sich nicht ängstigen, die Welt, die von den Menschen, befreite Welt, muß sich auch nicht länger ängstigen, die Welt kann sich erfrischen. Die Schimpansen werden sich hoffentlich überleben, vielleicht als neue Menschen. 

Freitag, 1. August 2025

Erzählen

Wut und Lächeln

 

Die einen Reden und Reden und wollen nicht aufhören zu reden, wenn ein anderer, ein Mann, das Wort ergreifen will, wird man ihn gleich überreden, so daß er  nicht zu Worte, kommt der Redner redet weiter, endlos weiter, so sieht es aus. Einer Frau, eine Schriftstellerin übrigens, gelingt es gleichwohl ihrerseits etwas zu sagen, eine kurze Bemerkung nur, aber eine Bemerkung, die den pausenlosen- und endlosen Redner aus der Fassung bringt, aus der Fassung, aber auf keine Weise so, daß er sein Gerede aufgeben will, im Gegenteil, er redet weiter, redet noch mehr und beschimpft die Frau noch mehr. Die Frau ist keineswegs erschüttert, sie lacht nur vor sich hin, belacht ihn und schaut ihn herausfordernd und lächelnd an. Ihr herausforderndes Lächeln erstickt ihn sozusagen, er schweigt mit aufgerissenen Mund, seine Worte wollen ihm nicht wieder kommen, er ist hilflos, sie schweigt und lächelt nur, die anderen Anwesenden, des Geredes längst überdrüssig, lächeln ihr zu, ihre Freundin Joana konnte ihr nach ihrem Selbstmord naturgemäß nicht mehr zulächeln. 

Kirche

Überlegungen

 

Er saß gestern in der Kirche, in der vordersten Bank, kopfschüttelnd. Warum geht man in die Kirche, wenn der Hergott sich nach tausend Jahren nicht gezeigt hat, soll man weitere tausend Jahre auf den Hergott warten? Regnet es und man wartet in der Kirche nur auf besseres Wetter? Ist man in der Kirche, weil einem sonst nichts einfällt? Wird man Pastor, weil man als Pastor gar nicht so wenig Geld verdient, oder weil man an den Herrn glaubt? Wollte man wissen, wie es derzeit in den Kirchen aussieht, man hatte ja seit zich Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen? Wenn eine ältere einsame Frau gläubig ist, soll man ihr den Kirchgang gönnen, man gönnt es ihr aus vollem Herzen, vielleicht ist man sogar ein wenig neidisch. Gefällt einem die Schönheit der Kirche, ins besonders der alten Kirchen? Freilich. Schickt man die Kinder in die Kirche, weil es so üblich ist, oder sollen sie Ihr Leben lang an den Herrgott glauben? Der kopfschüttelnde Mann in der vordersten Bank ist erkennbar nicht gläubig, wie gesagt, schüttelt er den Kopf. 

Hunde

und Katzen

 

Hunde, diese Hunde! man nennt Menschen so, die einem nicht gefallen, meist aber spricht man von den tierischen Hunden. Hunde bellen gern, man kann das aber teilweise begrenzen. Fast alle Hunde wollen so oft wie möglich mit ihrem Herrchen ausgehen, sie verzichten dafür auf ihr Futter, naturgemäß erhalten sie das Futter dann später doch. Sie helfen ihrem Herrchen, wenn er in Not sind, Hunde sind hervorragende Tiere, allerdings sind sie nicht alle von der gleichen Art. Die Hunde hassen üblicherweise die Katzen, die Katzen, obwohl sie selbst nicht bellen, den Hund, das ist aber nicht immer so, einige Hunde lieben die Katzen und die Katze dann den Hund. Die Hunde bellen wie gesagt, die Katzen sind still. Auch die Katzen lieben ihren Herrn, der durchaus eine Frau sein kann, man sieht es aber nicht so offenkundig. Die Katze liebt es, in der Wohnung zu wohnen, sie sucht sich in der Wohnung die seltsamsten Ecken aus. Die Katze denkt nicht daran zusammen mit seinem Herrchen, der durchaus eine Frau sein kann, auszugehen, sie will allein sein und auch andere Tiere jagen, dem Herrchen, der durchaus eine Frau sein kann, gefällt das gar nicht, die Katze ist aber so. Katzen leben üblicherweise vierzehn Jahre, die können aber auch erheblich länger leben, Hunde erreichen ein ähnliches Lebensalter, der Mann oder die Frau weinen, wenn die Tiere sterben, die Frau meistens intensiver, leider leben die Katzen und die Hunde nicht so lange wie die Menschen leben. Zunächst wollen die Menschen keinen neuen Hund oder keine neue Katze haben, dann aber, vor allem die Frau, doch. Manchmal entscheiden sich die, die eine Katze hatten, für  den Hund, die einen Hund hatten für die Katze, sie trauern noch um die tote Katze oder den toten Hund und freuen sich schon über die Welpe oder das klein Kätzchen. 

Bibliothek

 

 

Ein junger Mensch, ein junger Mann oder eine junge Frau, von einer jungen Menschin ist bislang nicht die Rede, geht zufällig an einer Bibliothek (Biblioteka Publiczna) vorbei, er fühlt, die Bibliothek kann sein Leben verändern. Er geht einige Male vor der Bibliothek hin und her, überlegt für einige Minuten und betritt schließlich die Bibliothek. Er, der bislang kaum ein Buch  in die Hand genommen hatte, ist überwältigt von der Zahl und der Pracht der Bücher (unter anderem das Buch Lato lesnych ludzi). Eine Bibliothek kann einen Menschen verwandeln, sein Leben kann sich verwandeln. Bislang hatte er noch nicht nach gedacht über sein späteres Leben, was konnte er werden, vielleicht ein Taxifahrer oder ein Mechaniker oder ein Rennfahrer. In der Bibliothek gehen ihm noch ganz andere Möglichkeiten durch den Kopf. Für alle diese Möglichkeiten muß man sich vorbereiten, man beginnt als Taxifahrer oder als Mechaniker und es gefällt einem dann doch nicht. In der Bibliothek öffnen sich Möglichkeiten jeglicher Art, man nimmt ein Buch in die Hand über das Leben des Rennfahrer und dann ein Buch über Mechaniker jeglicher Art oder, und das nicht zuletzt, über ein Leben als Bibliothekar. Der junge Mensch hat eine neue Welt betreten, die Gewalt der Möglichkeiten überwältigt ihn, er wird es bewältigen, eine Welt hat sich für ihn geöffnet.