im Unglück
Er überlegt, schüttelt den Kopf und geht weiter. Beim Überschreiten der Fahrbahn kommt er aus Unachtsamkeit der Elektrischen (tata vera miri) in den Weg, sie fährt ihn an. Im Schmerz zieht er sein Gesicht so klein wie möglich zusammen und spannt alle Muskeln, so daß er, nachdem die Elektrische vorüber ist, die Spannung kaum wieder lösen kann. Er steht noch ein wenig still, ein Mädchen steigt aus und winkt ihm mit der Hand zu. Als er nur ein wenig später beinah unter einen Zug geriet, war nicht
klar, ob es gewollt oder ob es ein böser Zufall war. Er war jedenfalls nicht
allzu schwer verletzt oder gar tot, verletzt und dauerhaft, eingeschränkt war
aber seine rechte Hand. Schnell erlernte er mit der linken Hand zu
schreiben und schrieb ein ganzes Buch mit dieser Hand. Das Buch hatte den Titel: Pogodzic sie ze swiatem.
Samstag, 31. Mai 2025
Glück
Bahnsteig
Unser Freund

Die Männer mußten zur Arbeit fahren, sie erwarteten auf dem Bahnsteig den Zug, von den Frauen sah man nichts, sie hatten noch zuhaus zu tun. Der Zug fuhr ein, die Männer bestiegen den Wagen. Einer, der immer zu spät kam - nicht einfach jemand, sondern ein bekannter Schauspieler, wir kennen ihn gut - sprang wie immer auf den schon anfahrenden Zug, er stürzte diesmal und war tot. Der Zug hatte längere Zeit angehalten und fuhr nun wieder los. Die Gespräche im Zug waren intensiv, was war da schief gelaufen, wie konnte das passieren, warum gerade er, man redete und redete, aber einer schwieg. Er saß still da, rauchte seine Zigaretten, achtete darauf, daß er niemanden mit der Glut beschädigte, er blieb still und sagte kein einziges Wort, palil papierosa.
Samstag, 24. Mai 2025
Vater unser
Entwicklung
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Padre nuestro, Vater unser, der du bist im Himmel. Jeder halbwegs aufgeklärter Mensch weiß, daß es keinen Vater im Himmel gibt, der uns leiten könnte. Das halten aber längst nicht alle für wahr, Kirchgänger besuchen weiterhin den Vater im Himmel, und vermehrt hört man überraschenderweise, Gott habe nichts anders im Sinn, als uns, die Menschen also, ständig zu lieben. Liebenswert sind einige, aber längst nicht alle. Man fragt sich neben anderem, wie die uns bekannte Welt entstanden ist, wie zuvor die Pflanzen, die Tiere und schließlich Menschen erst erstanden sind. Dabei ist der Mensch vermutlich nur als ein besonderes, den Affen naheliegendes Tier zu verstehen. Warum sollte der Mensch in der Tierwelt, zu der auch er gehört, etwas Besonderes sein, eigenartig ist diese Einstellung. Wenn die Menschheit am Leben bleiben sollte, wird sie irgendwann übertrumpft werden von anderen, klüger entwickelten Tieren.
Freitag, 23. Mai 2025
Menschen besonderer Art
Leben
Erwartungen

Ursprünglich wurden die Menschen geboren, um nach einiger Zeit zu sterben, das wollte man ändern als Jesus auftrat, bekanntlich wurde Jesus getötet um dann erneut zu leben. Das galt allerdings nicht für die, die schon vor Jesu Erscheinen gestorben waren, die waren nun mal tot. Die sogenannte Wiederkunft der zusammen mit Jesus Gestorbenen sollte bald sichtbar erscheinen, inzwischen sind aber mehr als tausend Jahre vergangen, ohne daß die Wiederkunft sicht- oder spürbar wurde, einige, und es werden immer mehr Leute, glauben inzwischen, daß die Toten vergeblich auf ihr neues Leben warten. Das gefällt naturgemäß kaum jemandem, die Zahl derer die geduldig auf Jesus warten, ist denn auch weiterhin überraschend groß. Nicht jedermann aber hatte seinerzeit Jesus gesehen oder wenigstens von Jesus gehört. Da jedoch fast niemand (wenn auch nicht ausnahmslos alle) auf Dauer sterben und tot sein will, wurden auch andere Überlegungen anderer Völker wach, so auch Überlegungen von Menschen, die von uns so wenig wußten wie wir von ihnen, nämlich gar nichts. Man denke an die Guarani die versteckt in den Wäldern lebten. Auch sie hatten ihre überzeugenden Überlegungen von Leben und Tod, von Jesus aber wußten sie nichts, daran mußten sie nicht leiden.
Donnerstag, 22. Mai 2025
Götter
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Hunde und Bären und andere Tiere, die wir kennen, wissen nichts von einem Gott, bei den besonders klugen Affen kann man seiner nicht ganz sicher sein, da muß doch irgend etwas sein, das sie bislang nicht kennen, denken die Affen, weiter kommen sie aber nicht mit ihren Überlegungen. Bekannt ist weithin Jesus von Nazareth, ein immer noch verbreiteter Gott im Osten der Welt, im Süden, in Südamerika, wie man das Land zunächst nannte, wußte man nichts von Jesus, niemand war aber gottlos, die Zahl der Götter im Süden war erheblich. Da man keine gemeinsame Sprache hatte, verstanden die verschiedenen Bewohner auch nichts von den Göttern der anderen, die sie nicht ernst nahmen, da die anderen, wie man meinte, nicht sinnvoll sprechen konnten. Inzwischen wurden die Amerikaner überwiegend von Jesus und seinen Jüngern überrollt, in Südamerika bestehen aber vereinzelt noch die Anhänger anderer Götter. Der Gott der Guarani ist der Großvater, allerdings nicht in der schlichten Art unserer Großväter.
Dienstag, 20. Mai 2025
Brüder Karamazow
Tausend Seiten kurzgefaßt

Es waren drei Brüder, Alexej, durchweg Aljoscha genannt, Iwan und Dmitri, allesamt im Alter von mehr als zwanzig und weniger als dreißig Jahren. Alexej, der jüngste, ist Gott und den Mönchen nah, Iwan ist ein atheistischer Philosoph und Dmitri, ein ehemaliger Soldat, er denkt nur an seine Liebste und an sich. Nicht ohne Grund verachten alle drei ihren Vater, wenn auch unterschiedlich intensiv. Die krassen Unterschiede der drei Brüder stören nicht ihr halbwegs gutes Verhältnis. Aljoscha und Iwan haben bestimmte Vorstellungen von der Welt, jeder die seine. Dmitri will nur sein Leben leben, ohne daß er über dieses Leben allzusehr nachdenken würde, er ist ein Wirrkopf. Er hat nichts gegen seine Brüder, beachtet sie zunächst aber wenig. Kaum hat er seine Liebe gefunden, da wird er grundlos verhaftet und die Ermordung des Vaters wird fälschlich ihm zugeordnet. Unschuldig ist Dmitris Leben nicht, aber ohne Schuld. Er spricht und lebt recht wüst drauflos und man glaubt ihm in entscheidenden Dingen nicht. Er hat den Vater nicht umgebracht, es sah aber so aus, als sei er der Mörder gewesen. Ivan und Dmitri liebten einander nicht und auch Alexei liebte sie nur in Maßen. Immerhin war es Iwan, der Dmitri nahelegte, ins Ausland zu fliehen solange das möglich wäre, tatsächlich aber wird Dmitri nach Sibirien verbannt, Iwan liegt tödlich krank danieder, Aljoscha ist der stille Held der Geschichte. Nicht zu vergessen sind die heranwachsenden Knaben, die ihn bewundern und dem sie folgen.