Freitag, 26. November 2021

Unzulässige Fahrt

Zurück zum Anfang


Eine zu geringe Nutzung der Eisenbahn ist nicht zu beklagen, die Fahrt nach Wien wird kommentarlos übersprungen, bald schon geht es weiter nach Venedig, von dort aus nach Verona und zurück über den Brenner Richtung England. Einige Zeit später ist Venedig erneut das Reiseziel, von dort aus zum Gardasee mit dem für kleinere Strecken geeigneteren Bus, dann nach Mailand und wieder Verona, im Spätherbst schließlich nach Bruneck, von dort über Innsbruck ins Allgäu, die Stecke von Oberjoch dann nach W. zu Fuß, schließlich über Bonn wieder zurück im Zug gen England. Der Erzähler ist meistens allein unterwegs, nur auf der Strecke nach Milano und später nach Bonn hat er angenehme weibliche Mitreisende. Praderas Reiseroute ist übersichtlicher, er ist mit der Eisenbahn unterwegs zu seiner neuen Arbeitsstelle. Ähnlich wie der Erzähler bei der zweiten Venedigfahrt, sitzt er im Gang des überfüllten Waggons auf seiner Reisetasche, eine Zigarette geborgen in der Handfläche, um den vor ihm Stehenden keine Brandwunden zuzufügen. Junge Leute, die inmitten der inzwischen von der EU rauchbereinigten Menschheit aufgewachsen sind, können sich diese Situation kaum noch vorstellen, allenfalls erinnern sie sich an Raucher- und Nichtraucherabteile. Die Reisenden im Zug unterhalten sich nur über eines, den Unfalltod Zbigniew Cybulskis am frühen Morgen im Bahnhof Breslau, Pradera beteiligt sich nicht an den Gesprächen. Ist diese Fahrt weg von Breslau hin zur Arbeitsstelle überhaupt zulässig, müßte die Zeit nicht angehalten und zurückgestellt werden, sollte er, Pradera, nicht vom angefahrenen Zug aus dem verspätet aufspringenden Cybulski hilfreich die Hand reichen oder, besser noch, ihn schon auf dem Bahnsteig am Aufspringen hindern? Przeklęty bądz zegarze, w którym czas nie może być cofnione – verflucht seien die Uhren, die die Zeit nicht zurückstellen können. Vom Ankunftsbahnhof aus hätte Pradera noch eine längeren Fußmarsch vor sich, der Fahrer eines hoffnungslos überladenen Opel Blitz nimmt ihn aber für einen Gutteil der Strecke mit.

Dienstag, 23. November 2021

Nur schon älter

Unverändert schön


Sie habe, so Mme. Landau, in ihrem nicht unbeträchtlichen Leben eine ziemliche Anzahl von Männer des näheren, wie sie mit einem spöttischen Gesichtsausdruck hervorhob, kennengelernt. Nicht nur wegen dieser Einlassung sehen wir Mme. Landau als Schönheit, oder, ausführlicher, mit den Worten des polnischen Dichters: Bardzo ladrą ma twarz, chociasz nie jest młoda, tylko starsza: Eine Frau mit einem sehr schönes Gesicht, obwohl sie nicht jung ist, nur schon älter. Der Satz klingt so, als würde das Altern die Schönheit nicht mindern, sondern eher steigern. In der Erzählung Płynięcie czasu (Vergehende Zeit), der dieser Satz entnommen ist, trifft ein junger, kaum zwanzig Jahre alten Mann, der ordnungswidrig in einem abgestellten Eisenbahnwaggon übernachtet, auf eine nicht ganz so junge, schöne Reinigungsfrau, die ihn weckt und mit ihm ihr Frühstück teilt. Bereyter hingegen ist älter als Mme. Landau. Verschiedenen Zeitangaben zufolge war er knapp sechzig, als er Mme. Landau kennenlernt, sie um einiges jünger, gegen Ende vierzig. Zwölf Jahre hat Bereyter dann in Yverdon, also in Mme. Landaus Nähe gelebt. Als der Erzähler nach Bereyters Freitod des längeren mit ihr spricht, ist sie wohl in den frühen Sechzigern, unverändert schön, schöner noch als je zuvor.


Freitag, 5. November 2021

Band der Straße

Coś śię pali


Endlich, endlich, man wagte kaum noch zu hoffen, steigt der Fahrer ein, setzt sich in seinem Sitz zurecht, zündet den Motor, legt den Gang ein und fährt los. Ruhe kehrt ein unter den Fahrgästen, aber nicht für lange. Irgendetwas brennt, coś śię pali, es riecht nach Gummi, hörte man aus dem hinteren Wagenteil. Die Fahrgäste sind zunehmend beunruhigt, eine Panik bricht aber nicht aus, der Brandgeruch ist eher schwach. Immerhin geht jemand zum Fahrer, der im vordersten Teil des Busses bislang nichts mitbekommen hat. Ohne die Geschwindigkeit zu verringern dreht er den Kopf nach hinten. Wenn der Qualm zunimmt, würde er anhalten, sagt er. Die Mitteilung beruhigt die Fahrgäste im hinteren Wagenteil. Der Bus fährt und fährt. Mit verrenkten Leibern lehnen und hängen nun einige in ihren Sitzen. Dem einen ist der Kopf nach vorn gesunken, den anderen seitwärts oder in den Nacken gekippt. Mehrere röcheln leise. Nur der Fahrer blickte weiterhin gerade voraus auf das im inzwischen eingesetzten Regen glänzende Band der Straße.

Montag, 1. November 2021

Telephrenie

Holiker

Am Abend des zweiten Tages nach der Ankunft in Southwold brachte die BBC eine Dokumentation über den im Jahre 1916 in einem Londoner Gefängnis wegen Hochverrats hingerichteten Roger Casement. Obwohl ihn der Film sogleich in den Bann schlug, ist er in dem grünen Samtfauteuil, den er an den Fernseher gerückt hatte, bald schon in einen tiefen Schlaf gesunken. Einen Verfallenheit an das Fernsehen läßt sich bei ihm mithin nicht diagnostizieren. Über Roger Casement hat er sich dann auf andere Weise informiert. Die Fernsehsendung wäre eh nur eine Vorbereitung auf die Lektüre gewesen.

In Redlińskis Romangroteske Awans (Aufschwung) lehnt die Landbevölkerung die Einführung der Elektrizität zunächst strikt ab, die Bekanntmachung mit dem Fernsehen aber führt zu einer abrupten Wende bis hin zu Überlegungen, eine Święta Elektra als ranghöchste Heilige nach der Gottesmutter selbst einzuführen. Im Roman Telefrenia  greift Redliński das Thema erneut auf, die Fernsehsucht hat epidemisches Format eingenommen, zu den Anonymen Alkoholikern haben sich längst die Anonymen Teleholiker gesellt. Inzwischen machen die Kompuholiker den Teleholikern das Terrain streitig. Angesichts der Lage und des entfesselten Fortschritts führt Redliński vorsorglich den Wszystkoholik, den Rundumholiker ein.

Cioran urteilte, die Menschheit hätte nicht über das Niveau eines Hirtenvolks hinauswachsen dürfen, mit der Erfindung des Transistors sei ein menschengrechtes Leben vollends unmöglich geworden. Der Dichter bestätigt seinerseits den Untergang des menschlichen Lebens, wie wir es kennen. Aus dem Getöse der Technik entstehe jetzt das Leben, das nach uns kommt und das uns langsam zugrunde richten wird. Aber was kommt noch nach uns? Hat er nicht immer wieder darauf hingewiesen, daß alle Zivilisation auf Verbrennung beruht, brucia continuamente, wissen wir nicht inzwischen, was das bedeutet?

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Nicht lebend, nicht tot

Vier Monate


Der Onkel hatte prophezeit, er werde noch bei der Eisenbahn enden, und obwohl es so nicht gemeint war, ist es grad so gekommen. Eine Woche nach seinem 74. Geburtstag hat er sich dort, wo die Bahnlinie in einem Bogen aus dem kleinen Weidengehölz herausführt und das Feld gewinnt, vor den Zug gelegt. Der Berichterstatter, Adroddwr, ist selbst ein eifriger Nutzer der Bahn, aber ohne erkennbare Neigung zu unsachgemäßer Nutzung. Stachuras Erzähler, die dem Autor immer zum Verwechseln ähneln, sind wahre Prinzen der Eisenbahn. Es gibt eine eigene Erzählung für die Nachtfahrt (Nocna jazda pociągem) und eine für die Tagfahrt (Dzienna jazda pociągem), Fahrten mit einem Ziel und solche ohne, Fahrten mit Fahrschein und Fahrten ohne, Übernachtungen in abgestellten Waggons und Übernachtungen in einem rollenden Hotel. Schließlich fährt er mit der Bahn, um seine Arbeit beim Holzfällen (Siekierezada) aufzunehmen, und in diesem Zug wird von nichts anderem gesprochen als vom Schienentod Zbigniew Cybulskis am frühen Morgen dieses Tages im Breslauer Bahnhof. Er hatte versucht, auf den schon rollenden Zug zu springen. Stachura selbst kommt dem Schienentod nahe, beendet sein Leben aber auf andere Weise.

Unlängst wurde in Polen ein neuer Sammelband mit Werken Stachuras veröffentlicht, Cała jaskrawość i inne utwory (Cała jaskrawość und andere Werke), darin auch das Sterbetagebuch des Autors mit dem ursprünglich von ihm für ein Buch vorgesehenen Titel: Pogodzić się ze światem (Sich mit der Welt abfinden). Ähnlich wie Cybulski am 8. Januar 1967 war Stachura am 3. April 1979 unter einen rollenden Zug geraten, allerdings ohne unmittelbare Todesfolge. Unter anderem hatte er die Finger der rechten Hand verloren. Ende Mai beginnt er mit der linken Hand das Tagebuch zu schreiben, der letzte Eintrag datiert auf den 20. Juli. Am 24. Juli 1979 hat er sich in seiner Warschauer Wohnung erhängt.

Daß er sich am 3. April 1979 wie Bereyter vor den Zug gelegt habe, davon kann nach Stachuras eigener Schilderung nicht die Rede sein. Er habe die Warnsignale gehört, habe den Zug kommen sehen, habe sich aber aufgrund einer inneren Verklemmung nicht rühren können, sei vielmehr wie angewurzelt stehengeblieben. Der Schlag auf Rücken und Hinterkopf war schrecklich, mit anhaltenden Folgen. Das Schreibvermögen mit der linken Hand ist der erste und wichtigste Schritt zur Wiedergewinnung des Lebens, ein anderer der Aufenthalt unter einfachen Leuten, für die alles so ist, wie es ist, jest tak jak jest. Unter Intellektuellen, das Motiv klingt mehrfach an in der Prosa, fühlte er sich nicht wohl, sicher nicht aufgrund von Minderwertigkeitsgefühlen. Sich mit der Welt abfinden, das bedeutet nicht zuletzt, die Ansprüche an das Leben zu reduzieren. Allem voran aber bei der Wiederaufnahme des Lebens war für ihn das Zusammensein mit der Mutter mit ihrem selbstverständlichen, jede Einzelheit umgreifenden Katholizismus. Wenn er selbst auch weiterhin nicht den Boden unter den Füßen spürt (nie czulem ziemi pod stopami), so ist das eher verheißungsvoll, denn es war schon immer das Geheimnis seiner Prosa, zwei Fuß über dem Boden zu schweben. Im Roman Siekierezada konnte es scheinen, als habe der dem Autor nahestehende Erzähler endlich festen Boden unter den Füßen, entsprechende Hinweise sind die Kameradschaft mit dem Kollegen beim Holzfällen, die mütterliche Betreuung durch die alte Zimmerwirtin, die baldige Rückkehr zu der vergötterten Frau Galązka Jabloni, und doch, was ist es für eine Welt, in der die Zeit nicht für einige wenige Minuten zurückgestellt werden kann, um Cybulski vor dem tödlichen Sprung auf den rollenden Zug zu retten. Die gesuchte Banalität des Lebens befreit nicht von den metaphysischen Beschwerden.

Nie żywy nie umarly, ich lebe, aber ohne Leben, ich bin gestorben, aber ohne Tod. Gerade diese radikale Selbstdiagnose läßt auf den ersten Blick Hoffnung auf Besserung aufkommen. Die Lage verschlechtert sich, als er vom Land in die Stadt zurückkehrt. Er beklagt den Verlust der Finger und des Verstandes. Es wäre schwer, allein hier in der Warschauer Wohnung zu hausen, stellt er fest. Der Besuch seiner von ihm geschiedenen Frau Zyta, einst Galązka Jabloni, scheint wenig hilfreich verlaufen zu sein, wenngleich sie bereit war, ihre Finger für ihn zu opfern, wenn sie sich nur transplantieren lassen. Das eigentliche Tagebuch endet schon am 8. Juli, es folgen noch drei kurze sachliche Hinweise, seit gestern wieder in Warschau, gestern bei der Ärztin im Krankenhaus von Drewnica. Dann nichts mehr bis zum 24. Juli 1979.

Montag, 18. Oktober 2021

Neue Zeit

Umgestaltung

All die Seelos, Ebentheuer der Uhrmacher, Hengge der Maler, Köpf der Bader, Mayr der Bäcker, alle haben sie einen Namen, nur die Landwirte nicht. Die angetrunkenen Bauern und Holzknechte sitzen unterschieds- und gesichtslos in der fürchterlichen, von dichten Schwaden durchzogenen Wirtsstube mit stierer Haltung auf den Bänken, als seien sie aus der Zeit gefallen.

Edward Redliński hat in den frühen siebziger Jahren zwei humoristisch-groteske Bücher über Rückständigkeit und das Wunder der Erneuerung geschrieben, Awans (Aufschwung) und Konopielka (Hanfmädchen), der Ort des Geschehens ist jeweils die ländliche Umgebung von Bialystok. Die Menschen leben hier, als seien allenfalls zwei Generation seit dem Zeitalter der Sammler und Jäger hin zu Landbau und Viehzucht vergangen, dies wiederum erachtet als Endstation der menschlichen Entwicklung. Sie könnten sich auf Cioran berufen, der bedauert, daß die Menschheit über den Status von Hirtenvölkern hinaus geraten sei, Cioran ist ihnen als Analphabeten naturgemäß aber unbekannt. In Awans bemüht sich ein Lehrer um die sogenannte Aufklärung, in Konopielka ist es eine Lehrerin. Die Lehrerin erreicht unter dem Landvolk nur eine gelinde, dafür aber möglicherweise nachhaltige fortschrittliche Orientierung, der Lehrer löst mit dem bis dahin unbekannten Fernsehen einen ihn selbst überraschenden und so nicht gewünschten Sprung in die Neuzeit aus. Das Fernsehen ist reichhaltiger als der Kirchgang, Urlauber einträglicher als Kartoffeln und Kühe, das Dorf wird umgestaltet in ein Ferienparadies. Dann aber zeigt sich, daß die Touristen das, wie sie meine, wahre und paradiesische Landleben einschließlich Übernachtung im Heuschober erleben möchten. In einer Rolle rückwärts finden die Dörfler zurück vom gerade erst erlernten städtischen Polnisch zum masurischen, für Fremde kaum verständlichen Dialekt als Teil einer Wildostschau der Urwüchsigkeit.

Der Dichter blickt oft weit zurück in die Vergangenheit, aber nicht in die Vergangenheit der Bauernschaft. Was die Gegenwart anbelangt, hat er, ganz wie Redliński, das von ihm so genannte Ferienvolk im Auge als eines der Symptome einer Moderne, die die an sie gerichteten Erwartungen nicht erfüllt. Im frühen neunzehnten Jahrhundert, da war war man noch voller Hoffnung, daß alles ganz anders kommen würde, als wie es dann tatsächlich kam.

Montag, 11. Oktober 2021

Verborgene Namen

Gründe


Der Icherzähler gibt seinen Namen nicht preis. Der in Mailand ausgestellte Ersatzpaß könnte auf den Namen Sebald hinweisen, aber Bilder sind nicht zuverlässig. Das im Fenster des Antikos Bazar gespiegelte Bild läßt ein Gesicht erkennen, das dem des Autors Sebald täuschend ähnlich sieht, der Erzählung zufolge aber handelt es sich um Austerlitz. Man kann sich einigen: mal ist der Erzähler zugleich der Autor und dann wieder nicht, also bleibt der Name besser ungenannt. Ähnliches gilt auch für die Ortschaft W., mal ist es Wertach und dann wieder nicht. Zahlreich Namen der früheren und aktuellen Bewohner des Ortes werden genannt, hat es alle diese Bewohner gegeben, und treffen, wenn das zutrifft, auch die Namen zu? Der endgültige Wohnsitz des Erzählers in England wird nicht genannt, die Annahme, er entspreche dem Wohnsitz des Autors hat eine große Wahrscheinlichkeit. Die Namen der Gesprächspartner des Erzählers, sei es in Italien, England, Irland oder Amerika werden immer genannt.

Der Icherzähler in Stifters Spätsommer hat keine vergleichbar enge Nähe zum Autor, ein Anlaß, den Namen zur Verschleierung des Verhältnisses zwischen Erzähler und Autor zu verschweigen, ist in insoweit nicht gegeben. Gleichwohl tritt nicht nur der Erzähler, sondern insgesamt das Personal des Romans vorwiegend namenlos unter Funktionsbezeichnungen auf: der Vater, die Mutter, der Sohn, die Schwester, der Gastfreund, die Fürstin, der Gärtner, der Zitherspieler. Dazwischen sind Vornamen eingestreut, Eustach, Roland, Simon, Clara, Mathilde, Natalie. Beim Gastfreund deutet schon früh einiges darauf hin, daß es sich um den Freiherrn von Risach handelt, er selbst bestätigt es dem Erzähler aber erst auf Seite 606 bei insgesamt 731 Seiten. Man könnte erwarten, daß sich bei dieser Gelegenheit auch der Erzähler seinerseits vorstellt, das geschieht aber erst auf der Seite 692 anläßlich der Verlobung mit Natalie, deren Nachname, Tarona, nun ebenfalls preisgegeben wird. Der einzige, und auch der äußerlich konfliktfrei verlaufende Konflikt im Buch ist die Verhinderung der Heirat des jungen Risach mit Mathilde durch deren Eltern. Endgültig aus der Welt geschafft wird dieser lange zurückliegende Angelegenheit durch die Heirat von Heinrich Drendorf und Natalie geb. Tarona. Die offenbarten Namen sind gleichsam das Siegel der Bereinigung.

Die Erschütterung war, was den Nachhall der versagten Ehe im Buch anbelangt, ohnehin gering. Das führende Leitmotiv im Spätsommer sind die Geräte. Das Bedeutungsfeld des Gerätes geht weit über den heutigen Bereich hinaus. Es umfaßt alle Artefakte, sofern sie auf Schönheit ausgerichtet sind, Gebäude, Vertäfelungen, Bilder, Fußböden, Möbelstücke, Marmor in verschiedensten Verwendungsformen. Der Erzähler verbringt das Gros seiner Zeit damit, die vorgefundenen Geräte zu zeichnen und abzumalen, um sie anderen Orts zur Begutachtung vorzuzeigen, andere wiederum zeigen ihm ihre Produkte. Man spürt die Übermacht der toten Dinge, die stillstehende Welt, eine Todesumgebung. Abgesehen vom regelmäßigen zu fester Stunde servierten Essen sind kaum urtümliche menschliche Bedürfnisse und Regungen zu erkennen. Der Dichter weiß von Stifters Freßsucht zu berichten, das zur Erklärung. Die nachwachsende Generation ist uneingeschränkt in den Händen der Eltern und wünscht sich nichts anderes, Heinrich und Natalie werden nach der Heirat schnell in diese Ordnung zurückfinden. Das Gesinde ist mit seinem Leben so zufrieden wie die Jugend mit dem ihren und zeigt keine klassenkämpferischen Impulse - Wieso fasziniert diese an sich unmögliche Geschichte immer wieder aufs Neue?