Montag, 4. August 2025

Die Welt

 und ihr Zustand

  

Wie ist die Welt, wie wird sie sein, wie wird sie bleiben, alles schien so zu sein, wie es war und sein soll, man geht Arbeiten, hat Urlaub, fährt zur Erholung in das Nachbarland oder in fremde Länder, man kommt zurück, geht Arbeiten, verdient Geld, hat wieder Urlaub und so weiter, alles geht nach der vertrauten Ordnung, die Zeit geht dahin, und dann plötzlich nicht mehr wie gewöhnt. Rußland greift die Ukraine an, Israel greift Syrien an und so weiter, die Welt ist aus den Fugen, aber alles scheint weiter seinen Weg zu gehen, aber es geht den Weg nicht mehr, wie er bislang gegangen ist. Die alten Leute, die ohnehin bald sterben werden, bleiben gelassen, die jungen Leute nicht. Die jungen Leute, die mit Gottes Hilfe die Klimaerwärmung besiegen wollen, können es nicht, weil die aufbrausenden Kriege alles verhindern und das Klima hintan läßt, der derzeitige Führer, so kann man ihn nennen, in Nordamerika behauptet seinerseits, die Klimaerwärmung gäbe es gar nicht. Die Alten, die ohnehin bald sterben werden, blieben unbeeindruckt, aber sie müssen sich sorgen um ihre Kinder.

Sonntag, 3. August 2025

Die Katze

und andere

 

Jesus, so heißt es, habe den Menschen ein ewiges Leben versprochen, bislang merkt man davon nichts, die Toten scheinen tot zu bleiben, Jesus kann einem leid tun, er tut einem ohnehin leid. Nur den Menschen jedenfalls, wurde das ewige Leben versprochen, die Tiere hatte Jesus so oder so nicht im Blick. Die Menschen verzehren die Tiere, die Tiere ihrerseits folgen einander nicht einmal nach der Idee eines längeren Lebens, die sorgsame Katze zum Beispiel, trägt zwar die Maus lebend nach Haus, aber um mit ihr zu spielen und sie dann zu töten, oder um ihren Kindern das Töten und den Verzehr der Maus beizubringen, wen tötet die Maus ihrerseits, wen verschlingt sie? Die Vögel sind immer voller Unruhe, immer aufgeregt, sie kommen angeflogen, gehen nieder, essen ein wenig, schauen nach links und nach rechts, ob ihnen nichts passiert, trinken ein wenig, schauen nach links und nach rechts und fliegen plötzlich weg, die Fliegen fliegen noch schneller, man schlägt sie tot. Einige Menschen sind bemüht, wenigstens das Töten der Menschen, wenn schon nicht der Tiere, einzudämmen, für einen Augenblick scheint es zu gelingen, dann wieder nicht. Wer den Tod kennt, hat den Tod ständig vor Augen.

Wärme und Kälte

Hitze und Wärme

 

Zapalilem drugiego papierosa i patrzylem, jak pada snieg, er hatte eine zweite Zigarette angezündet und schaute, wie es schneite und schneite, wie der der Schnee fiel und fiel. Die Zigarette und der Schnee, Wärme und Kälte, daran ist er gewöhnt an diesen Wechsel. Nicht selten aber ist die Kälte unerträglich oder auch die Hitze, überwiegend kann er aber zufrieden sein mit der gelinden Wärme am Tag oder der gelinden Kühle in der  Nacht. Wenn die Wärme zu Hitze wird oder die kühle zu Eis, kann er naturgemäß nicht zufrieden sein. In der weit zurückliegenden Vergangenheit hat es immer Zeiten großer Hitze und Zeiten großer Kälte gegeben, seit langen aber, so heißt es, ist die Kälte fast warm und die und die Wärme fast heiß, man versucht das zu mildern und zu überwinden, es ist an der Zeit. Viele Menschen, aber längst nicht alle, können sich zunächst mit Heiz- oder Kälteapparaten helfen, die Tiere haben nicht diese Möglichkeiten, die einen erfrieren, die anderen verrotten. Er raucht seine dritte Zigarette und denkt nach, während er die dritte Zigarette raucht. Er raucht seine Zigarette und denkt.

Freunde

 

 

Janek und Edmund kannten sich nicht, sie hatten sich jetzt aber kennengelernt, sie kamen aus verschiedenen Gegenden zum Holzfällen um das nötige Geld für dieses Jahr zu erarbeiten. Sie waren Männer verschiedener Herkunft und verschiedener Erwartungen und verschiedener Vorstellungen von der Welt und dem Leben und sie waren schon in der kürzesten Zeit nach dem Kennenlernen Freunde geworden, sie würden über das Jahr während der gemeinsamen Arbeit des Holzfällens Freunde bleiben, ein Wiedersehen im nächsten Jahr wäre für sie mehr als erfreulich, sie würden sich in die Arme nehmen und freudig lachen. Traurig war für sie andererseits die jeweils lange Zeit der Entfernung von ihren Frauen, die sie liebten, die zwei Frauen hatten voneinander gehört, die Männer hatten von der jeweiligen Frau erzählt, die Frauen kannten einander nicht. Edmund war ein  Schriftsteller, der von seiner Schriftstellerei nicht leben konnte und daher ergänzend die Holzfällerei ausübte, Janek weiß nicht einmal, was ein Schriftsteller ist, die Unterschiede der beiden beeinträchtigte sie aber nicht. Sie kennen beide die Schönheit des Genusses von Wein und Whisky und besorgen Wein und Whisky, wann immer es möglich ist. Janek ist kleinwüchsig aber oho, wenn es zu Schägereien kommt, ist immer er der Sieger, er ist angstlos. Die Schlägereien mag er nicht, angstlos vermag er Streitereien schlichten. Von Edmund gibt es einige Photos, von Janek gibt es kein einziges Photo. Janek vermark Streitereien schlichten, Schlichten ist ihm lieber als Streiten, nicht etwa daß er Angst vor Streitereien hätte.  

Gestern

Morgen

 

Die Menschheit hat, so sagt man, mit Jesus Christus begonnen, vorher hatte es allerdings bereits Sokrates und Gilgamesch gegeben, das müssen wir aber nicht ernstnehmen, unser Blick war seit jeher nach vorn gerichtet. Die Entwicklung ging Schlag auf Schlag voran, am Jahresende konnte man jeweils den Fortschritt bewundern. Zunächst war der Fortschritt jeweils nur von Fachleuten beobachtet und zum nächsten Jahresende nächsten Fortschritt verbucht. Der Fortschritt war rasant, der Kutsche folgte das Auto, dem Auto das Flugzeug und so weiter, es geht ständig voran. Man lebte nicht mehr allein in Deutschland, sonders alle Jahre auch in Frankreich oder in Südamerika oder sonstwo. Inzwischen fragt man sich aber, ob man sich nicht selbst und unsere Welt überfordert hat, der Einzelne denkt kaum daran, er wird ohnehin sterben und bis zu seinem Tot wird er wohl durchhalten, so denkt er. Kinder gibt es immer weniger, sie sind ohnehin nur eine Last, man muß sich nicht ängstigen, die Welt, die von den Menschen, befreite Welt, muß sich auch nicht länger ängstigen, die Welt kann sich erfrischen. Die Schimpansen werden sich hoffentlich überleben, vielleicht als neue Menschen. 

Freitag, 1. August 2025

Erzählen

Wut und Lächeln

 

Die einen Reden und Reden und wollen nicht aufhören zu reden, wenn ein anderer, ein Mann, das Wort ergreifen will, wird man ihn gleich überreden, so daß er  nicht zu Worte, kommt der Redner redet weiter, endlos weiter, so sieht es aus. Einer Frau, eine Schriftstellerin übrigens, gelingt es gleichwohl ihrerseits etwas zu sagen, eine kurze Bemerkung nur, aber eine Bemerkung, die den pausenlosen- und endlosen Redner aus der Fassung bringt, aus der Fassung, aber auf keine Weise so, daß er sein Gerede aufgeben will, im Gegenteil, er redet weiter, redet noch mehr und beschimpft die Frau noch mehr. Die Frau ist keineswegs erschüttert, sie lacht nur vor sich hin, belacht ihn und schaut ihn herausfordernd und lächelnd an. Ihr herausforderndes Lächeln erstickt ihn sozusagen, er schweigt mit aufgerissenen Mund, seine Worte wollen ihm nicht wieder kommen, er ist hilflos, sie schweigt und lächelt nur, die anderen Anwesenden, des Geredes längst überdrüssig, lächeln ihr zu, ihre Freundin Joana konnte ihr nach ihrem Selbstmord naturgemäß nicht mehr zulächeln. 

Kirche

Überlegungen

 

Er saß gestern in der Kirche, in der vordersten Bank, kopfschüttelnd. Warum geht man in die Kirche, wenn der Hergott sich nach tausend Jahren nicht gezeigt hat, soll man weitere tausend Jahre auf den Hergott warten? Regnet es und man wartet in der Kirche nur auf besseres Wetter? Ist man in der Kirche, weil einem sonst nichts einfällt? Wird man Pastor, weil man als Pastor gar nicht so wenig Geld verdient, oder weil man an den Herrn glaubt? Wollte man wissen, wie es derzeit in den Kirchen aussieht, man hatte ja seit zich Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen? Wenn eine ältere einsame Frau gläubig ist, soll man ihr den Kirchgang gönnen, man gönnt es ihr aus vollem Herzen, vielleicht ist man sogar ein wenig neidisch. Gefällt einem die Schönheit der Kirche, ins besonders der alten Kirchen? Freilich. Schickt man die Kinder in die Kirche, weil es so üblich ist, oder sollen sie Ihr Leben lang an den Herrgott glauben? Der kopfschüttelnde Mann in der vordersten Bank ist erkennbar nicht gläubig, wie gesagt, schüttelt er den Kopf.