Samstag, 8. Februar 2025

Mörderische Nacht

Schlaflos

Für ihn war es eine mörderische Nacht, mörderisch. Ich konnte nicht schlafen. Seltsame Dinge gingen ihm durch den Kopf. Er konnte nicht Lesen, geschweige denn Schreiben. Er steckte sich eine Zigarette an und weiter nichts. Er hätte seiner Frau schreiben können, aber er konnte es doch nicht, ihm fehlte die Kraft. Er legte sich nieder um zu schlafen, um vier morgens stand er wieder auf, trank etwas und rauchte eine Zigarette. Um einiges später zog er sich an und ging nach draußen. Er kehrte in eine Kneipe ein um etwas zu essen und zu trinken. Er zahlte und trat wieder hinaus. Was tun? Im Kino lief ein nur wenig später ein Film, er wollte ihn aber nicht sehen.

Mittwoch, 5. Februar 2025

Vom Wetter

und von anderem

Mal scheint die Sonne, mal nicht, mal regnet es, mal nicht, mal fällt Schnee, mal nur wenig und mal gar nicht, die Menschen können es nicht ändern, obwohl manche es glauben. Oft war die Sonne noch zu sehen, jetzt ist alles schon ganz ohne Glanz. Die Situation ist nie so perfekt wie man es erhofft. Gerade schien noch die Sonne, da fängt es an zu regnen, der Schnee fällt in der Nacht und bedeckte das Land und es wird immer schlimmer. Wer glaubt, man habe die Welt im Griff, der täuscht sich. Was man weiß ist, daß das Licht des Lebens immer dunkler wird, man weiß es, will es aber nicht wahrhaben. Man sollte sich schon vorbereiten an das Ende.

Grenzstadt

Vorzug der Bescheidenheit

Nicht nur verschiedene Länder sehen aufeinander herab. Unser Städtchen ist klein und einsam, vergessen und doch vorhanden. Die großen Städte sind weit entfernt, die Bewohner sind froh über die Stille, in den kleinen Städtchen fühlen sie sich wohl. Die über das Land verstreuten zehn kleineren Städtchen bilden insgesamt keine große Stadt, die großen Städte bevorzugen ihrerseits mit ihrer Weitsicht Gebiete nahe der endlosen See. Die kleinen Städtchen mögen nicht so reich sein, die Bewohner sind aber glücklich und vielleicht glücklicher als alle anderen. Die großen Städte würden auf sie hinabsehen, nehmen sie aber letztlich gar nicht wahr. Die Hauptstadt ist ein besonderer Artikel, auch die Regierungsbeamten kümmern sich aber kaum um das kleine Städtchen, man übersieht es geradezu. Jedes Glück hat einen besonderen Klang. Der höchste Beamter ist der Obersteuernehmer, auch er ist mit seiner Pfeife im Mund rücksichtsvoll gegenüber den Bewohnern der kleinen Städtchen.

Dienstag, 4. Februar 2025

Vom Wesen des Todes

Immer schon

Schon das Kind erlebt den plötzlichen Gedanken des Sterbens, Erwachsene haben angesichts ihrer vielen Aufgaben kaum Zeit für derartige Überlegungen, das Leben geht unbeachtet dahin. Irgendwann aber spürt jeder sein Alter und die nur noch geringe Lebenszeit. Alte Menschen spüren mehr und mehr den Tod, von Tag zu Tag kommt er ihnen näher. Die Idee vom ewigen Leben ist längst nicht mehr einleuchtend, der Tod ist das Maß aller Dinge. Man denkt und redet vor sich hin und plötzlich denkt man an den Tod. Da mögen  unerwartete Dinge aufleben, die man so einfach nicht wieder los wird, der Tod kommt näher und man wird ihn nicht wieder los. Immer wieder breitet sich der Gedanke des Todes aus, die Nähe des Todes kommt immer noch näher. Sollte man das Leben aufgeben, bevor der Gedanke des Todes immer tödlicher wird? Nicht zuletzt die Dichter und Schriftsteller neigen zu einem frühzeitigen Tod, man kennt das.

San Rocco

Einsam

Nicht dasein, sondern davonschweben auf seltsame Weise, man mag sich an den Geschichten der Der Nacht von San Rocco und anderen Erzählungen wie La casa in collina orientieren. Hatte die Neuzeit für Paveses Figuren noch nicht begonnen? Man trifft hier nicht auf Hochhäuser mit Ausnahme der oft halbleeren Hauptstadt Turin, und das auch nur, weil einige hier arbeiten müssen, ansonsten aber besucht der Autor nicht die großen Städte, die man nicht liebt, vielmehr die Dörfer, die man umso mehr liebt, vor allem aber die Hügel, die Hügel sind kostbarer als die Menschen. Man trifft hier keine Autos, keine Flugzeuge und nicht einmal Betten, hier leben keine Reichen, keine Arbeiter, nicht die Neuzeit, man trifft nicht die Kinder beim Schulbesuch und auch nicht die fortgeschrittenen Erwachsenen, vielmehr die Jugend, nicht die sechzigjährigen, allenfalls noch die fünfzigjährigen. Mehr als alles andere entzücken die Hügel, sie sind geradezu dem Herrn eigen. Ihre schönen Geheimnisse sind unter anderem die Tenne, die Maulbeerbäume und viele andere, nicht aber die Pastoren, wenn sie in der Kirche den kirchlichen Aufgaben und an anderen Orten die Tierzucht betreiben und dabei die Tiere unangemessen behandeln. Zwischen den Menschen, vorwiegend den Männern, sind die meisten Beziehungen anders als erhofft und keineswegs herzlich oder freundlich. Die Männer sind einsam, die Frauen bleiben im Hintergrund. Vieles wäre noch zu sagen.

Sonntag, 2. Februar 2025

Philosophie

Eigenwillig

Anders als andere Philosophen hielt er die kleinen, kaum beachteten Dinge für entscheidend. Kreisel zog er allen anderen Dingen vor. Kaum begann der Kreisel sich zu drehen, versuchte der Philosoph ihn abzufangen und wieder zu beruhigen. Die Kinder wollten ihren Spielgefährten zurück haben und lärmten wie wild, das beeindruckte ihn aber keineswegs. Der Kreisel drehte sich nämlich nur für eine ausschließlich auf der Erkenntnis kurzer Erlebnisse und der darauf beruhenden Erkenntnis des Allgemeinen. So kurz die Erlebnisse, so groß das Feld der Philosophie. Ob noch andere Philosophen ähnlich denken? Da zögert man.

Samstag, 1. Februar 2025

Gilgamesch

Vom ewigen Leben

Als das älteste Schriftstück überhaupt gilt die Erzählung des Gilgamesch, niedergeschrieben etwa um zweitausend Jahren vor Christi Geburt. Im Zentrum der Erzählung steht die Vorstellung vom ewigen Leben. Gilgamesch und sein Freund Enkidu sind zunächst beschäftigt, erfolgreich den mächtigen Humbaba zu töten, dann aber wenden sie sich selbst der Hoffnung des ewigen Lebens zu. Trotz aller diesbezüglicher Anstrengung sterben sie aber wie andere auch. Ohnehin wünschen sich nicht alle Menschen ein ewiges Leben, Cesare Pavese, um ihn zu nennen, hat im Alter von vierzig Jahren, auf dem Höhepunkt seines Dichtens und Schreibens, unerwartet und zum Entsetzen seiner Freunde das Leben beendet, es war ihm genug. Die Bemühung um das ewige Leben klingt zur Zeit von Plato und Aristoteles  ab, man kennt und erwartet allgemein das Sterben und den Tod. Eine Wende zum ewigen Leben ergab sich erst wieder mit Christi Geburt. Christus, seine Jünger und alle Gläubigen konnten über mehr als tausend Jahre wieder ein ewiges Leben erwarten. Nicht wenige erwarten auch heut zutage noch das ewige Leben, aber es werden mit jedem Tag immer weniger.