Sonntag, 14. Juli 2024

Welt der Hunde

Kurze Mitteilung

Er war ein Freund der Hunde, den treuen Begleitern, erzählte von ihnen aber nicht sehr viel. Der Verstand des Hundes geht weit über das hinaus, was man sich vorstellt. Sieben Hunde traten ins Licht, überraschend war ihre Musikalität, Angst konnten sie nicht haben, allerdings vergingen sie sich gegen das Gesetz, das galt aber für alle. So alte Hunde hörte man immerfort, so alte Hunde, so alte Hunde, Angst verbreitete sich. Das Leben ist schwer, es gehört nicht zu den Vorzügen der Hundeschaft, daß wir die Speisen zur Verteilung bringen, man will von den Fragen und Wünschen der anderen nichts hören. Von besonderem Interesse sind die sogenannten Lufthunde, Hunde der kleinsten Art. Man erzählt, sie würden sich hoch in der Luft bewegen, wissenschaftlich belegt ist das nicht. Eine Eigentümlichkeit der Hundeschaft ist das Fragen, eine Frage klingt wie die andere, als Hund unter den Jungen findet man die Artgenossen nicht. Von besonderem Interesse sind die sogenannten Lufthunde, Hunde der kleinsten Art. Man erzählt, sie würden sich hoch in der Luft bewegen, wissenschaftlich belegt ist das nicht. Das ist genug, weiter sollte man in die Welt der der Hunde nicht eindringen.

Sonntag, 7. Juli 2024

Literatur

Wirrwarr

Bei seinem unfreiwilligen Besuch in Wien und auch später auch bei seinen Besuchen in Venedig und anderen Stäten scheint es, als würde er in der ganzen Zeit nichts zu Papier bringen. Zweifellos hat er nichts vom Schloß oder vom Prozeß geschrieben, möglicherweise aber unbemerkt kleine Skizzen wie die von Nächsten Dorf oder die vom Großen Taschenspieler. Nie folgt er den Menschen auf eine übliche Weise, gemeinhin sind die, die das Sagenhaben und andererseits die diejenigen, die ihnen gehorchen müssen. Nehmen wir als Beispiel den, wie es scheint, von der Arbeit befreiten Mann mit Namen Blumfeld, wir kommen auf ihn zurück.  Besonders  auffällig ist die Situation des Jäger Cracchus, der seit langen Jahren tot aber nicht gestorben ist. Durch eine falsche Drehung des Steuers hatte er die richtige Einfahrt ins Totenreich verpaßt, seit mehr als tausend Jahren ruderte er hilflos herum, jetzt aber, in Riva, vermag der Bootsfahrer den Cracchus endlich einfahren ins stille Reich der Toten. Zurück zu Blumfeld. Sein bisheriges, wie es scheint, ungestörtes Leben, wird gestört, zwei in die Wohnung eingedrungene Bälle, die erheblich störend umher springen. Es gelingt ihm sie einzusperren und den Lärm stillzulegen. Zum Erstaunen der Leser zeigt sich ab, daß Blumfeld keineswegs sein Leben in der Stille seiner Wohnung verbringt, er ist, wie sich zeigt, leitender Angestellter in einer Wäschefabrik, der führenden Person, einem gewissen Ottomar, in der Fabrik allerdings nachgeordnet.

Mittwoch, 3. Juli 2024

Frühes Ende

Cigaret

Man weiß, daß der Erzähler Zigaretten raucht, es aber nicht literarisch nutzt. Er ist der Zigarette in keiner Weise abhold, erwähnt sie aber nicht in seinen Erzählungen. Ein Schauspieler reagiert ganz anders als ein Literat, James Dean zeigt sich in seinen Photographien gern mit einer Zigarette, entweder zwischen den Lippen oft, lang anhaltend, oder zwischen Zeigefinger und Mittelfinger, der Daumen frei nach oben hochgestellt. Man sieht ihn auf Spaziergängen durch die Metropole und auch in seinen Filmen. 1931geboren kommt er 1955 bei einem Autounfall ums Leben, Schädigungen durch das Zigarettenrauchen konnten zu dieser Zeit noch nicht festgestellt werden. Stachura hielt die Zigarette seltener im Mund, meistens hält er sie lange zwischen Finger und Daumen. Auch für ihn ist ein Tag ohne Zigarette nicht denkbar, ein Tag ohne Zigarette ist wie ein Tag ohne Kleidung. Stachura kommt nicht durch einen Unfall ums Leben, sondern durch Selbstmord, so manches im Leben ist gefährlicher als das Rauchen. Beide,  Dean und Stachura, waren zum Zeitpunkt ihres Todes derart jung, daß, keine gesundheitlichen Schäden durch das Rauchen festgestellt werden konnten, sie rauchten in ihren besten Jahren. Hillerman, ein Autor, konfrontiert uns mit einer gewissen Margaret Cigaret, ohne daß vertieftes Erzählen vom Zigarettenrauchen zu erkennen wäre. John Banville, ein anderer Autor, erzählt von einer brennenden Zigarette, die offenbar jemand auf einer Theke vergessen haben mochte, besondere Folgen hatten sich nicht eingestellt.

Ein Mensch

namens Blumfeld

Man hat ihn zu einem Kongreß nach Wien geschickt, Freude daran hat er nicht. Anschließend sucht er Triest, Venedig und Riva auf, eins ist nicht trister als das andere, schließlich führt es ihn zu einer Wasserheilanstalt, ob sie hilfreich ist bleibt im Dunkeln. Auffällig ist, daß er anscheinend nicht schreibt, vom Jäger Cracchus schreibt er erst deutlich später. Hatte er aber nicht schon an den Abenden während des Kongresses in Wien und abends in der Wasserheilanstalt geschrieben, von Blumfeld unter anderem? Blumfeld ist ein einsam lebender Mensch, ohne Frau und ohne Kinder. Manchmal denkt er an einen Hund als Gefährten, dann aber scheint er ihm doch wieder als zu schmutzig. Zudem kann der Hund krank werden. Auch die Bedienerindie ihm das Essen bringt, ist alles in allem nicht nach seinem Geschmack. An eine Katze oder an Kanarienvögel könnte er denken, nicht aber an ab eine Katze und an Kanarienvögel, die Katze würde die Kanarienvögel alsbald vertilgen. Vielleicht schafft sich Blumfeld doch einen Hund an. Währen er noch überlegt geschieht etwas unerwartetes, zwei Celluloidbälle  springen plötzlich durch die Wohnung. Im Vergleich zu den Hunden haben sie sowohl Vor- wie auch Nachteile. Wenn auch nur recht entfernt, ähneln die Bälle Gregor, beide Teile sind völlig überraschend, man muß sich darum nicht kümmern. Blumfeld ist verblüfft und dann verärgert, als er schlafen geht, trommeln die Bälle unter seinem Bett. Sein Schlaf ist traumlos aber unruhig. Der Bedienerin, für ihn ein begriffsstutziges Weib, ist er, als sie ihn weckt, in dieser Situation dankbar. Schließlich gelingt es ihm, die Bälle einzusperren, sie sind still, jedenfalls hört man sie nicht mehr. Blumfeld hat eine zweite Welt, die seines Berufes, das hatte man zunächst gar nicht erwartet, man vermutete einen wohlhabenden Mann ohne Berufsnotwendigkeit. Tatsächlich aber ist er eine leitende Person in einer Wäsche Fabrik, allerdings erst an zweiter Stelle, nach Ottomar, dem Chef, nicht ohne Problematik. Da sieht nun alles ganz anders aus. Blumfeld zieht es ohne Zögern zu seinem Bureau, es enthält einen Schreibtisch für Blumfeld und zwei Stehpulte für die Praktikanten. Ursprünglich hatte man es mit zehn Näherinnen zu tun, inzwischen sind es fünfzig oder sechzig, die Zahl der Praktikanten, was immer sie zu tun haben, ist beeindruckend. Die Näherinnen versorgt man mit Bonbons, eine Untat, die Blumfeld unterbindet. Unrat wird mit einem Besen entfernt. Mehr ist eigentlich nicht zu sagen.

Montag, 1. Juli 2024

Ehepaare

Keine Ewigkeit

Clara und der Autor sind auf Wohnungssuche, die Suche hat sich schon bald erfüllt, die Wohnung kann bezogen werden. Gar nicht viel später hat Clara an einem Nachmittag ein Haus gekauft, von dem Paar und seinen Lebensumständen wird in der Folge kaum noch erzählt, erzählt wird fast ausschließlich von den einsamen Reisen des Autors, der nach einer gewissen Zeit und der Erledigung seiner Recherchen freilich immer wieder in Claras Haus zurückkehrt. Ganz anders sieht es mit Zyta und ihrem Lebensgefährten aus. Es war spät, das Paar hat sich zur Ruhe begeben, Zyta war schon eingeschlafen. Es war warm, ihr Abdomen, vulgo Bauch, lag frei. Er betrachtete sie mit einem gewissen Schuldgefühl, denn sie bemerkte nicht, daß er sie im Auge hatte. Er gerät ins Phantasieren, es schien ihm, als habe er den ganzen Kosmos im Blick. Ihre gegenseitige Liebe war grenzenlos und, wie er dachte, ewig. Leider wissen wir es besser. Als sie getrennt waren, sie in Polen, er in Mexiko, brachte nichts sie auseinander, als sie wieder zusammen waren, fing die Trennung an. Zyta war wider Erwarten keine ausdauernde Lebensgefährtin, nicht daß es ihr anzukreiden war, nach einiger Zeit waren die beiden jedenfalls getrennt. Genaueres ist nicht bekannt.

Zeit

Morgenlicht

Nach eigener Auskunft hatte Austerlitz nie eine Uhr besessen, die Zeit war ihm nach allen Erfindungen die weitaus künstliche gewesen. Die Zeit sei ein Strom wie die Themse, wo sei dann aber der Ursprung der Zeit und in welches Meer würde sie endlich einmünden? Kaum jemand, sollte man meinen, verwechselt noch die Erde mit der Welt, und wer es tut der täuscht sich. Die Zeitenwelt ist uns verschlossen, das Wesen der Zeit unbekannt. In unserem Blickwinkel haben wir nicht mehr die Welt, sondern die zum Planeten herabgestufte Welt. Man muß sich mit kleineren Umständen zufrieden geben. Hilfreich wäre das Erleben eines ständigen Neubeginn, am Ausgang der Nacht zeigt sich ein neuer Tag, bekannt als nowy dzien. Die Navajos und andere Stämme sind es gewohnt, tagtäglich das Morgenlicht zu preisen, auch Szerucki bemüht sich um das Morgenlicht. Es scheint zu gelingen, aber dann zeigt sich, nicht nur ein Tag ist vergangen, sondern gleich drei oder vier, ohne daß man es bemerkt hätte. Dann wieder das Verehrung eines Neuen Tag, aber vermutlich wird auch der aus dem Gleis geraten, die Dekadenz der Neuzeit hat den Neuen Tag erheblich beschädigt. Austerlitz ist recht zu geben, die Zeit ist nicht zu verstehen, nur ein Gott vermöchte das.

Sonntag, 9. Juni 2024

Chorknaben

und andere

Seinen Posten als Chorknabe hat er bald aufgegeben und sich dann zu Fragen der Religion weiter nicht geäußert. Bereyter, sein alter Lehrer, hatte Freude am Schabernack mit dem Katecheten Meier, wenn er dessen Weihwasserbehältnis zuvor schon rechtzeitig mit einer Gießkanne gefüllt hatte. Um derart schlichte Streiche ging es, wie John Banville uns zeigt, in Irland nicht und schon gar nicht in den Reihen des irischen Klerus. Quirke hat früh das Dasein als elternloses Kind erlebt. Auch später dann, als Wissenschaftler und Pathologe, konnte er das Leid seiner Jugendtage nicht vergessen, Alkoholismus ist die  Folge. In Banvilles Romanen taucht immer wieder der Klang des scheinbar gottesfreudige Klerus auf, vom Buchtitel her am deutlichsten in Holy Orders, der sich dann als am wenigsten gottesfreudig erweisen. Verbreitet ist der Mißbrauch jeglicher Art, nicht zuletzt der sexuelle Mißbrauch von Kindern, Quirke hatte es in seiner vaterlosen Kindheit selbst erlebt. Die Zustände werden vertuscht und das auch noch nach der, wenn man so will, gerechten Ermordung eines Klerikers. Der Mord wird verschwiegen  und als bloßes Unglück dargestellt, der tote Kleriker geradezu als Heiliger. In einem anderen Buch Banvilles wird erzählt, wie einem bekannten Zuarbeiter des Klerus aus Rache wortwörtlich das Rückgrat gebrochen wird. Die Polizei hält das zurecht für angemessen und macht keine Anstalten, den Rächer öffentlich preiszugeben.