Samstag, 29. März 2014

Aus dem Schattenreich




Alphabetische Auflistung

Ausgangspunkt ist jeweils ein Prosafragment Kafkas, das in gewisser Weise einen Abschluß findet. Dazu werden Textstücke aus Sebalds künstlerischen Werken verwendet. In wenigen Fällen sind zusätzlich Werkstoffe anderer Dichter verarbeitet.

Kafkas Texte bleiben überwiegend ohne Herkunftshinweis. Zur Herkunft der Sebaldtexte siehe Entliehen.


Register
Einzelne Berichte aus dem Schattenreich sind verschiedenen Themenbereichen zugeordnet

Entliehen
Was welchem Werk Sebalds entliehen wurde

Bewegung im Schattenreich
Hinweise zur Idee und Gestalt der Montagen

Kafka wird erheitert
Sebalds Schwindel.Gefühle werden gedeutet als ein großer Versuch, Kafka aufzuheitern. Und tatsächlich, auf der einzigen in den Band aufgenommen Photographie Kafkas lächelt er bereits. Im weiteren Verlauf der Erzählung hat er dann noch herzhafter gelacht.

Am schmalen Rand
Walser, Vogl, Sebald, Kinbote

Endlichkeit
Sebald bewundert Kafka mit feiner Ironie

Auf dem Dachboden
Auf einem Dachboden treffen sich verschiedene Jäger und klären die Frage ihrer Jagdreviere.

In Schönheit
Kafkas Sohn


Freitag, 28. März 2014

Im Abseits

Geschichtsunterricht

Das letzte Gedicht in Über das Land und über das Wasser ist kurz und prägnant: Im Abseits sieht das Auge des Hundes alles noch so wie es von Anbeginn war. Die Tierart Canidae wird selten für ihren Gesichtssinn gerühmt. Ihre sensorische Paradedisziplin ist die olfaktorische Wahrnehmung, auf die auch Selysses setzt, wenn er schwört, seine Art zu schreiben habe er gewonnen bei der Beobachtung des anscheinend planlosen und doch zielführenden Laufs des Hundes à travers les champs: bei derartigen Läufen folgt der Hund seiner Nase. Offenbar geht es also nicht um optische Höchstleistungen. Gleich zu Beginn von Austerlitz werden die auffallend großen Augen der im Nocturama behausten Tieren und ihr unverwandt forschender Blick dem Blick bestimmter Malern und Philosophen zugeordnet, die vermittels der reinen Anschauung und des reinen Denkens versuchen, das Dunkel zu durchdringen, das uns umgibt. Wer erfolgreicher ist, die Lemuren oder die Denker, bleibt ungeklärt. Dem Geheimnis des Hundes kommen wir aber noch um einiges näher, wenn wir uns André Hilary zuwenden, Austerlitz’ Schullehrer und begeisterter Dilettant der Napoleonforschung. Er muß einräumen, daß auch die detailliertesten Kenntnisse einer Schlacht wie der bei Austerlitz letztlich doch nur zusammengefaßt werden können in einem lachhaften Satz wie dem: Die Schlacht wogte hin und her. Wir versuchen, die Wirklichkeit zu sehen, und finden doch nur vertraute Bilder wie das des gefallenen Trommlers. Unsere Beschäftigung mit der Geschichte ist eine Beschäftigung mit immer schon vorgefertigten, in das Innere unserer Köpfe gravierten Bildern, während die Wahrheit irgendwoanders, in einem von keinem noch entdeckten Abseits liegt.

In einem Abseits. Es ist nicht nur der gleiche Ausdruck, es ist die gleiche Szene, der gleiche Gedanke, der Gedanke der Geschichte, an deren Verstehen der Mensch verzweifeln muß, während der Hund sie gar nicht wahrnimmt. Mit seinem Scharfsinn und Scharfblick sieht der Mensch den Wald der Historie vor lauter geschichtlichen Bäumen nicht, die Tiere dagegen sind samt und sonders geschichts- und daher, was die Geschichte anbelangt, ahnungslos. Die Besonderheit des Hundes nun besteht darin, daß er wie kein andres Tier den Tag über das Blickfeld des Menschen teilt. Er sieht das gleiche wie die Menschen und sieht doch etwas ganz anderes. Er sieht vieles von dem, was die Menschen nicht sehen und sieht vieles nicht, was sie sehen und für wichtig halten. Da es in dem Gedicht bei genauer Betrachtung vordringlich um das geht, was der Hund nicht sieht und nicht sehen kann, ist seine Sehschärfe nicht der entscheidende Punkt, für die Betrachtung des in tiefem Dunkel liegenden Anbeginns wird sein Auge hinreichen.

Allem, den Hauptdarstellern und den Komparsen, den Vögeln am Himmel, dem grün bewegten Wald und jedem einzelnen Blatt wird dieselbe, durch nichts geschmälerte Daseinsberechtigung zugesprochen. Aus der ungeschmälerten Daseinsberechtigung folgt die Gleichberechtigung der Blicke. Unser Blick ist dem des Hundes nicht überlegen, er ist nur anders. Abweichend von der Frage der Schreibkunst, wo es reicht, die Laufbewegung im Feld zu beobachten, kann der Hund sein geschichsloses Wissen nicht vermitteln. Weder können wir mit seinen Augen sehen, noch kennen wir den Anbeginn der Dinge. Der Blick des Hundes ist, wenn wir über ihn nachsinnen, für uns allenfalls eine Richtungsstange in einem endlosen Schneefeld, wohin sie uns weist, bleibt unbekannt. Ohnedies ist die Geschichte, entgegen der verbreiteten Hoffnung, kein Lehrbuch, aus dem man lernen könnte auf dem Weg zum immer Besseren. Unbekümmert darum aber läßt sich aus wissenschaftlicher Sicht festhalten, daß neben der literarischen, bei allen Differenzen, auch eine grundlegende geschichtsphilosophische Nähe zwischen Hund und Dichter besteht.

Dienstag, 25. März 2014

Zimmer 645

A Locked-Room Mystery


Zimmer 645 Hotel Schweizer Hof Hinüber Straße Hannover
Niemand kann beschwören, daß sich ein Mensch im Zimmer 645 aufhält, es könnte sich um die Auswertung einer Videokassette handeln, eines einfachen Photos gar, wenn nicht gegen Ende des Gedichts, als die Krähen einfliegen, die Bewegung der Zeit spürbar würde. Und wenn sich jemand in dem Zimmer aufhalten sollte, wie ist er hineingekommen, von einer Tür ist nicht die Rede, was sind seine Absichten, kann er den Raum wieder verlassen? Hotelübernachtungen sind, neben Zugfahrten, häufige Motive in Sebalds Prosa. Die Behandlung des Themas in der Lyrik kann den Blick für die Prosa schärfen.

Tischplatte nach Art eines Puzzles aus verschiedenen exotischen & heimischen Hölzern zusammengesetzt & mit marmoriertem Kunstleder überzogen.

Übernachtungen in deutschen Hotels sind in der Prosa selten, Kissingen ist immerhin ein Beispiel. Das Hotel war soeben von Grund auf renoviert worden in dem in Deutschland unaufhaltsam sich ausbreitenden neuimperialen Stil, welcher diskret mit Blaßgrün und Blattgold die Geschmacksverirrungen früherer Jahre überdeckt. Die Empfangsdame, die etwas von einer Oberin an sich hatte, maß mich mit ihren Blicken, als befürchte sie einen Hausfriedensbruch, und als ich den Lift betrat, befand ich mich einem gespenstischen alten Ehepaar gegenüber, das mich mit einem Ausdruck unverhohlener Feindseligkeit, wo nicht gar des Entsetzens anstarrte. Das aus Zimmer 645 bekannte Farbspiel, hier blaßgrün und blattgolden, tritt schon im Foyer auf. Während wir aber in das Zimmer 645 wie in ein Locked-Room Mystery eingesperrt sind, ohne zu wissen, wie wir hineingelangt sind und mit wem, wenn überhaupt, wir es teilen, müssen wir das Kissinger Zimmer gar nicht erst betreten, die Oberin und das alte Ehepaar geben schon hinreichend zu verstehen, was uns erwartet. An Wächtern, menschlichen Barrieren muß der Gast immer vorbei, bevor er sein Zimmer erreicht, mögen sie vielleicht auch schlafen, wie in Venedig der Nachtportier, der wie aufgebahrt auf einem engen, seltsam hochbeinigen Lager ruht. Bevor der Gast dem befremdlichen Anblick der Dinge und Wände ausgesetzt ist, hat er sich den Blicken und dem Anblick der Menschen zu stellen und sei es hinter geschlossenen Lidern. Das gesamte Ensemble aber, die Dinge, der reisende Gast und die Wächter werden umfaßt vom Blick des Erzählers, der das Geschehen des Augenblicks in die Vergangenheit trägt und dort betrachtet. In All’estero wird der Umstand des zweiten Blicks motivisch dadurch betont, daß Selysses die Italienreise zwei Mal macht, sich zu dem zweiten Blick des Erzählers also gleichsam ein dritter gesellt. In der erzählerischen Fiktion wird der Bericht noch während der zweiten Reise niedergeschrieben, das zeigt sich, als Selysses der Signora Michelotti sein Schreiben erklärt.

An der Wand grünlich gestrichelte Strukturtapete und eine Bildkomposition von Karsten Krebs unter der in Silberschrift Sogni die Venezia steht.

Der zweite Blick der Prosa mindert nicht die Intensität des ersten, über den das Gedicht nicht hinausgelangt, verleiht ihm vielmehr Perspektive und zusätzliche Tiefe, Weite und Kraft. In der Pension Arosa in Manchester, Selysses’ biographisch erstem Hotelaufenthalt, haben die im Zimmer 645 wie versklavt wirkenden Dinge: hier sind es ein mit Briefschaften und Schriftstücken überquellender Rolladensekretär, eine mit verschiedenem Bettzeug und Candlewickdecken vollgestopfte Mahagonitruhe, ein uraltes Wandtelefon, ein Schlüsselbrett und, in einem schwarzlackierten Rahmen, die großformatige Photographie eines schönen Heilarmeemädchens - ein befreites eigenmächtiges Dasein gewonnen. Während im Locked-Room Mystery des Zimmers 645 der Bewohner spurlos verschwunden ist, und wir das Schlimmste befürchten müssen, wird in Manchester ein besonders eigenmächtiges, wer sich nicht fürchtet, wird sagen: selbstbestimmtes Ding, die teas maid, durch ihr nächtliches Leuchten, ihr leises Sprudeln am Morgen und durch ihr bloßes Dastehen untertags Selysses am Leben festhalten lassen.

Nachtblau gesprenkelt der Teppich kürbisfarben der samtene Vorhang weinrot das Sofa ultramarin & türkis die Blütenkelche auf dem Bettüberzug die Bettumrandung eine schwindelerregende Arabeske aus Lila & Violett.

In Wien, Frankfurt oder auch Brüssel ist Selysses immer vom einsetzenden Verkehrslärm aufgewacht, das Zimmer 645 ist durch die Panzerverglasung von allen Geräuschen abgeschirmt. Das ist aber die bloße, nicht weniger vernichtende Kehrseite des Lärms und nicht die ersehnte Stille. Die Stille eines Hotels erlebt Selysses in Venedig, als nur einzelne Rufe an sein Ohr dringen und das Flügelklatschen der Tauben. Auch die Krähen, die wirren Flugs zurück zu ihren Schlafplätzen fliegen, bleiben unhörbar. In Wien steigt Selysses den Rabenvögeln nach und redet mit den Dohlen in den Anlagen vor dem Rathaus und auch mit einer weißköpfigen Amsel.

Durch den grauen Store Ausblick auf ein häßliches Hochhaus den Fernsehturm das kohlschwarze Sparkassengebäude an dessen oberstem Stockwerk das S-Symbol mit dem Sparpfennig angebracht ist.

Was mag sich zugetragen haben im Zimmer 645? Wenn es das Ablesen einer Videoaufnahme ist, zu welchem Zweck wurde sie angefertigt, hat ein Verbrechen stattgefunden, ist der Insasse, dem keine freundliche Gracie Irlam zur Seite steht, Opfer der stillen Gewalt der Dinge geworden? Auch All’estero ist ein Bericht von Niederlagen und Flucht, Niederlagen in Hotels, in Pizzerien, in Bussen, in Bahnhöfen. Unter dem zweiten, den Erzähler und die Welt gleichermaßen mit einem milden Spott umfassenden Blick des Dichters, wird es aber zu einem siegreichen Bericht von Niederlagen. Auch die Niederlagen selbst werden im Verlauf der Erzählung uneindeutiger. Selysses mag die als Sieg erlebte Ergatterung eines Kapuzinerkaffees im Bahnhofsausschank von Venedig überschätzen, ist aber der Aufenthalt in Limone als Niederlage anzusehen, auch wenn er unstrittig Elemente des Verlierens enthält und unmittelbar auf die Trauung die Trennung folgt; die Fahrt nach Mailand eine Niederlage, auch wenn Selysses, zugegebenermaßen, die Franziskanerin und das Mädchen mit der bunten Jacke nie wiedersehen wird? In Verona dann ist der Sieg eindeutig und unbestreitbar: In der Goldenen Taube war wider alles Erwarten ein ihm in jeder Hinsicht aufs beste zusagendes Zimmer zu haben und er sieht sich, daran gewöhnt zumeist schlecht bedient zu werden, von einem an Ferdinand Bruckner erinnernden Portier und der anscheinend eigens in der Halle sich einfindenden Geschäftsführerin des Hotels mit der ausgesuchtesten Zuvorkommenheit behandelt. Seinen Ausweis braucht er nicht vorzulegen, der Portier hebt seine Tasche auf und geht ihm voraus in das Zimmer voraus, wo er sich mit einer Verbeugung von ihm verabschiedet. Die Nachtruhe, die er unter dem Dach der Goldenen Taube genießt, grenzt, wie das anschließende, ihm als würdevoll in Erinnerung gebliebene Frühstück, ans Wunderbare: ein Sieg, der, wenn auch fraglos willkommen, so doch als unangemessen, nicht lebensnah empfunden, den freundlichen Spott des Dichters in besonderem Maße auf sich zieht.

Nichts regt sich nirgends den ganzen Tag bis gegen Abend vor der Panzerverglasung weit auseinandergezogen eine Schar Krähen wirren Flugs zurück zu ihren Schlafplätzen fliegt.


Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg - tatsächlich leitet uns ein für seinen Sieg als Drachentöter gefeierter Heiliger durch die Erzählung von den Schwindelgefühlen, wenn auch ein randständiger, gleichsam heidnischer, ein Heiliger, dem der Dichter, als wir in ein letztes Mal und zwar unter einem Strohhut erblicken, vollendete Weltlichkeit attestiert. Es sind aber weniger die in den Motiven zaghaft aufscheinenden siegreichen Elemente als die majestätische, die im Inneren der in der um W. gelegenen kleinen Kapellen herrschende vollkommende Stille zurückgewinnende Satzgestaltung, die, überbordend, hinter dem geschundener Menschensohn weit in der Ferne den Pantokrator erahnen läßt. Unter den heutigen säkularen Verhältnissen zuverlässiger als irgend sonst erfährt der Leser im Innenraum der Sebaldschen Prosa die Erlösung von allem Übel. Der lyrische Aufenthalt im Zimmer 645 ist weit entfernt von derartigen Wundern, die die Prosa bewirkt

Montag, 24. März 2014

Haute Cuisine

Frisch aus deutschen Landen

Über Selysses Eßverhalten wissen wir nicht viel, bei der Auswahl eines Restaurants pflegt er übertriebene Sorgfalt an den Tag zu legen und gerät dann doch regelmäßig in das falsche. In Verona scheitert der Versuch, eine Pizza zu verzehren, in Lowestoft kämpft er mit einem panierten Fisch und unterliegt. Das sind in der Prosa die Begegnungen mit der internationalen Gastronomie, in der Lyrik sehen wir uns mit der deutschen Küche konfrontiert:

Seit Jahr und Tag unverändert das interregionale Küchenlatein das herzhafte Bistrofrühstück der Schnittkäse der gekochte Schinken das Rührei die Nußnugatcreme das Eintopfgericht des Tages die deftige Goulaschsuppe das Nürnberger Rostbratwürstchen der Kartoffelsalat die Frikadelle mit Brötchen die Rinderroulade nach Hausfrauenart der Schokoriegel zur Auswahl die gesalzene Erdnuß die Beukelaer Prinzenrolle der Nordhäuser Doppelkorn der uralte Asbach der finessenreiche Gau Köngernheimer Vogelsang und das Rotkäppchen trocken.

Wenn der eine oder andere vielleicht zunächst zustimmend nickt und, sofern nicht vegetarisch ausgerichtet, bei der Rinderroulade gern dabei wäre, werden ihm doch bei den Salznüssen Bedenken kommen und die negative Signalwirkung des Rotkäppchensekts kann er nicht überhören, auch wenn er einwenden könnte, daß der Rottkäppchencamenbert vor einer Reihe von Jahren im Feinschmeckerland Frankreich in den Himmel gelobt wurde, dort, wo schon die Säuglinge zum Zwecke der Geschmackbildung mit Roquefort und ähnlich anforderungsreichen Produkten in Kontakt gebracht werden.

Es bleibt die Frage, ob jede einzelne der aufgeführte Positionen dem Verdikt des Dichters anheimfällt, oder ob es eher die Zusammenstellung, die Abfolge ist. Beim Frühstück ist ohnehin der Kaffee entscheidend, da will man um Einzelheiten nicht streiten. Neben der Roulade ließe sich auch für eine gelungene Frikadelle durchaus ein gutes Wort einlegen, die Salznüsse bleiben naturgemäß unberührt in ihrem Schälchen und auch die Prinzenrolle ist nichts anders als ein Notbehelf. Doppelkorn und Asbach wird man gern drangeben, den letzteren umso leichter, wenn einem, selbst mehr in Richtung Obstbrand: Pflümeli, Mirabelle, Birne, Sanddorn - orientiert, auch ausgesuchte, sogenannte edle Weinbrände nicht munden. Der Köngernheimer wird vielen unbekannt sein, über das Unbekannte nihil nisi bene.

Sonntag, 23. März 2014

Le repos du voyageur

Grenzstation

An der Grenzstation angelangt ist jetzt der Reisende, das Köfferchen ist aufgegangen, die arme Seele entflogen, gleich kommt der Dr. Tulp. Hinter jeder Reise steht die Sorge um ein Nachtlager, Hotelaufenthalte werden nicht nach Tagen, sondern nach Nächten bemessen. Verkürzt läßt sich sagen, Reisen besteht im Aufsuchen des Nachtlagers. Jan Peter Tripps Bild kann, wenn man auf stilistische Einordnung Wert legt, dem Hyperrealismus zugerechnet werden, zeichnet also trotz Suggestion des Realen keine reale Situation und ist offen für ein weites Deutungsspektrum. Wenn der Dichter ein geöffnetes Lederköfferchen als Nachweis der entflogenen Seele wertet - die Seele eines Reisenden befände sich demnach in seinem Handgepäck - so bevorzugt er eine der extremeren Deutungsmöglichkeiten. Einen Reisenden geben die Koffer zweifelsfrei zu erkennen, der schlichte Beobachter würde aber eher vermuten, daß dieser, am Ziel angelangt, mangels anderer Möglichkeiten zunächst auf der unbequemen Unterlage sich eine kurze Rast gönnt, bevor er dann endgültig sein Nachtlager aufsuchen kann. Die unbequeme Lage spricht nicht gegen diese Annahme, Selysses selbst trifft es öfters noch schlechter. In Deauville gelingt es ihm nur gegen ein horrendes Bestechungsgeld in einem Abstellraum eine Pritsche zu ergattern, die wie ein Gepäcknetz hoch an der Wand angebracht war, nur wenn er vor Müdigkeit nicht mehr weiter konnte, dann aber schon, kletterte er dort hinauf und schläft ein paar Stunden. Überhaupt sind Reisende es gewohnt, sich eine Rast zu gönnen, wo immer es möglich ist, am Boden in Schlafsäcken liegend auf dem Bahnhof Venedig und auf den Bänken des Amsterdamer Flughafens. Und wenn der Reisende auf dem Bild wie aufgebahrt wirkt, hat auch das nicht viel zu besagen. Als Selysses in Venedig den Nachtportier des Hotels passiert, der ebenfalls wie aufgebahrt auf einem engen, seltsam hochbeinigen Lager ruht, kommt er nicht auf den Gedanken, der arme Mann könne aus dem Leben geschieden sein. In der Prosa, die auf die realistische Decke, was immer sich unter ihr bewegen mag, nie verzichtet, ist der Dichter um einiges zurückhaltender.

Der nach allem, was wir wissen, also lebendige Nachportier gibt andererseits aber zu verstehen, daß nicht allein die Reisenden, sondern auch die dem Reiseverkehr Zuarbeitenden sich nach Schlaf sehnen. In Ithaca dauert es eine beträchtliche Zeit, bis aus dem auch hier bereits schlafenden Haus der greise Portier herbeikommt. Das Ruhe- und Schlafbedürfnis ist dabei nicht auf die späten Abend- und die Nachtstunden beschränkt. Im Museum in Ajaccio sieht Selysses erst als er unmittelbar vor dem Tresen der Rezeption steht, daß dahinter in einem schwarzledernen zurückgekippten Bürosessel eine jüngere Frau sitzt, ja, ihrer Müdigkeit Tribut zollend, liegt. Im Besuchsort Terezín sind offenbar alle Bewohner hinter den verschlossenen Türen in Schlaf verfallen und auch als Austerlitz sich auf der Rückfahrt im Bus einmal umwendete, sieht er, daß die mit ihm reisenden Fahrgäste in den Schlaf gesunken waren, ausnahmslos. Mit verrenkten Leibern lehnen und hängen sie in ihren Sitzen. Dem einen war der Kopf nach vorn gesunken, dem anderen seitwärts oder in den Nacken gekippt, manche röcheln leise: auch verläuft keine klar erkennbare Grenze zwischen Schlaf und Tod.
Für Selysses, den wir nicht anders als auf Reisen kennen, hat die Frage des Einnachtens naturgemäß eine große Bedeutung. Die Nacht im rustikalen Hotel Columbus in Bremerhaven verbringt er schlaflos und auch in Bamberg liegt er wach in einem steinernen Haus, wie es heißt, wohl auch ein Hotel. In Verona dagegen wird er schon in der Halle von der anscheinend eigens sich einfindenden Geschäftsführerin des Hotels mit der ausgesuchtesten Zuvorkommenheit behandelt. Die Nachtruhe, die er unter dem Dach der Goldenen Taube genießt, grenzt, wie das anschließende, ihm als würdevoll in Erinnerung gebliebene Frühstück, ans Wunderbare. Die meisten Übernachtungen nehmen eine  Position näher bei Bremerhaven als bei Verona ein, und die Nächte bewegen sich vorwiegend auf einer engen Skala zwischen ungut und besonders ungut. Schon bei seinem ersten überlieferten Hotelaufenthalt in Manchester hätte er, umfangen wie er war, von einem ihm unbegreiflichen Gefühl der Unverbundenheit, ähnlich, wie nach seiner Vermutung, der Reisende an der Grenzstation, sehr leicht aus dem Leben sich entfernen können.

Der Dichter erwähnt das auf den gehobelten Brettern stehende Gepäck, verschweigt aber Zahl und Umfang, neben dem offenstehenden schweinsledernen Köfferchen noch zwei weitere Koffer beträchtlichen, vor allem auch in die Breite gehenden Ausmaßes. Als Selysses, wie immer mit leichtem Gepäck unterwegs, die weiter nicht auffällige Grenzstation Oberjoch erreicht, bittet er den Zollbeamten, bei Dienstschluß seine Reisetasche mitzubringen und im Engelwirt abzugeben. Er macht sich dann mit dem kleinen Rucksack unbeschwert auf den Fußweg nach W. Dieser Weg steht dem Reisenden auf dem Bild erkennbar nicht offen. Vielleicht wartet er auf jemand, der ihn, wie verabredet, abholen soll und nutzt die Zeit zu einer meditativ, fast schon fakirhaft intensivierten Ruhe. Es ließe sich auch auf die vor einiger Zeit vor allem unter jungen Leuten grassierende Sitte verweisen, an im Grunde ungeeigneten und auch nicht ungefährlichen Stellen wie Simsen oder Balustraden die Ruhelage einzunehmen, einigen hat dieses Verhalten in der Tat dann das Leben gekostet. Der Reisende auf dem Bild scheint aber nicht zu diesen Verirrten zu gehören, und die Gedanken des Dichters gehen ohnehin in eine andere Richtung. Vielleicht sei der Leib bereits ausgehöhlt und gewichtslos, und tatsächlich erscheinen die beiden Hände, auffällig in der Bildmitte, wie zwei Flügelchen, die, in Bewegung gesetzt, imstande wären, den Leib nach oben zu tragen. Derlei aber gehört auch zur Levitationskunst lebendiger Fakire.
Wir wollen gern einräumen, daß die Gedanken des Dichters die richtigeren sind, die tieferen ohnehin. Auch bei dem verunfallten Jäger Hans Schlag hätte man ohne weiteres glauben können, er sei bloß eingeschlafen, wenn nicht die entsetzliche Blässe seines Gesichtes gewesen wäre. Es bei der Autopsie zeigt sich am linken Oberarm des Toten eintätowierte Barke des Jägers Gracchus, der seit ewigen Zeiten mit dem Boot auf der Reise war. Im Zentrum des Bildes befinden sich, neben die beiden über die Platte herabhängenden Hände des Reisenden, auch der bloßgelegte rechte Unterarm. Man müßte, um Sicherheit zu gewinnen, den Ärmel des Hemdes auch über den Oberarm hinaufstreifen und, wenn sich dort nichts findet, ebenso den des verborgenen linken Arms.

Montag, 17. März 2014

Blickkontakt

Im Grunde unverändert

Schwer zu verstehen ist nämlich die Landschaft, wenn du im D-Zug von dahin nach dorthin vorbeifährst, während sie stumm dein Verschwinden betrachtet: Das ist der erste Eintrag in dem posthum herausgegebenen Band Über das Land und über das Wasser, Ausgewählte Gedichte 1964 – 2001 und mithin wohl das früheste in Buchform publizierte Produkt des Dichters. Es liest sich wie ein Konzentrat aus Motiven, die dann die Prosa bestimmen werden, Zugfahrt, Landschaft, Schauen. Was heißt es, eine Landschaft sei schwer zu verstehen, wie ist sie, ob leicht oder schwer, überhaupt verstehbar - am ehesten noch mit den Mitteln der Kunst, in den Bildern Ruisdals oder Turners, um im Werk behandelte Landschaftsmaler zu nennen. Die Landschaft wird auch in der Prosa verständlich, etwa wenn Selysses rheinabwärts fährt, von einem starken Wind getrieben wehten die Heckflaggen der die graue Flut durchpflügenden Lastkähne nicht nach rückwärts, sondern wie auf einer Kinderzeichnung nach vorne zu. Das Licht hatte abgenommen, bis nur mehr eine fahle Helle das Stromtal erfüllte. Ein allmählich eintretendes Schneetreiben überzog den Prospekt, wie auf einer japanischen Tuschzeichnung, mit einer feinen, fast waagerechten Schraffur, und es war, als seien wir auf dem Weg hinauf in den hohen Norden und näherten uns bereits der äußersten Spitze der Insel Hokkaido. Naturgemäß ist das künstlerische Verstehen der Landschaft ein nie abzuschließender Vorgang, ein ewiges Bemühen, der Landschaftsmalerei geht ihr Sujet nicht aus. Der Clou des Kurzgedichtes ist der Wechsel der Blickrichtung, nicht der Reisende betrachtet noch länger die Landschaft, sondern die Landschaft betrachtet sein Verschwinden, stumm und, möchte man ergänzen, soweit ihr das möglich ist, mit Genugtuung. Immer wieder, und zumal auf Reisen, gibt auch der Dichter das Verlangen nach unserem Verschwinden zu erkennen. Eigenartig berührte mich beim Hinausschauen, daß fast nirgends ein Mensch zu erblicken war, wenn auch über die nassen Landstraßen genügend in dichte Sprühwolken gehüllte Fahrzeuge brausten. Tatsächlich schien es, als habe unsere Art bereits einer anderen Platz gemacht oder als lebten wir doch zumindest in einer Form der Gefangenschaft.
Die stummen und leblosen Dinge sind in Museen und Vitrinen zur Betrachtung dargeboten, nur wenige aber sind zu ihrer Betrachtung berufen. In das königliche Observatorium von Greenwich verirrt sich nur ein einsamer weltreisender Japaner, geht in dem leeren Oktagon einmal im Kreis und verschwindet wieder, erst dann verbringen Selysses und Austerlitz, jeder für sich, mehrere Stunden damit, die ausgestellten kunstreichen Beobachtungs- und Meßgeräte, Quadranten und Sextanten, Chronometer und Regulatoren zu studieren. Im menschenleeren Terezín erwachen die Exponate hinter den Schaufenstern des Antikos Bazar unter dem Blick des einsamen Selysses zu einem seltsamen Leben, der reitende Held wendet sich auf seinem soeben auf der Hinterhand sich erhebenden Rosses nach rückwärts, um mit dem linken Arm ein unschuldiges, von der letzten Hoffnung verlassenes weibliches Wesen zu sich emporzuziehen und aus einem dem Beschauer nicht offenbarten, aber ohne Zweifel grauenvollen Unglück zu erretten. Nicht anders offenbaren die Bildwerke der alten Meister das in ihnen verwahrte Leben nur dem unaufdringlichen, stillen Blick eines einsamen Betrachters. Die Mesnerin von Sant’Anastasia verschwindet, nachdem sie dem einzigen Besucher das Tor geöffnet hat, wortlos in ihrem Verschlag, und erst nachdem die mit einem Ausdruck völliger Verständnislosigkeit die Säle der Nationalgalerie durchwandernden Besucher verschwunden sind, vermag Selysses den Blickverkehr zwischen dem heiligen Antonius und dem heiligen Georg zu entschlüsseln.
Wie immer es um die Seekraft der Landschaft und das Dreinschauen der Dinge bestellt sein mag, der Blickwechsel kann ungleich heftiger ausfallen, wenn ein Lebewesen hinzukommt. Ich sehe den Rand des grauen Asphalts, jeden einzelnen Grashalm, sehe den Hasen, wie er hervorspringt aus seinem Versteck, mit zurückgelegten Ohren und einem vor Entsetzen starren, irgendwie gespaltenen, seltsam menschlichen Gesicht, und ich sehe, in seinem im Fliehen rückwärtsgewandten, vor Furcht fast aus dem Kopf sich herausdrehenden Auge, mich selber, eins geworden mit ihm. Unter Menschen ist ein Blickwechsel von dieser fusionierenden Heftigkeit selten, wenn nicht unmöglich. In der Vorhalle war außer einer sehr schwarzen, in einer Art Schalterhäuschen sitzenden Negerfrau nicht ein lebendiges Wesen zu sehen. Ich stand eine beträchtliche Zeit auf der Schwelle und wechselte einige Blicke mit der dunklen Frau: Das ist eines der wenigen Beispiele für einen, wenn schon nicht heftigen so doch symmetrischen, gleichgewichtigen Blickverkehr, ein anderes wäre das Wiedersehen von Austerlitz und Vĕra Ryšanová. In den allermeisten Fällen aber besteht kein Gleichgewicht zwischen Schauen und Betrachtetwerden, die Dominanz ist auf der einen oder aber der anderen Seite.

Kafka zumal ist der Held, der unter den Blicken der anderen leidet, was er selbst sieht und gesehen hat, wissen wir nicht. Halb im Spott, halb voller Mitgefühl und zur Therapie läßt der Dichter die Mehrzahl der Bewohner von Desenzano auf dem Marktplatz antreten, um den Vicesekretär der Prager Arbeiterversicherungsanstalt, der nichts mehr fürchtet, prüfend in Augenschein zu nehmen. Dabei leidet Selysses an den gleichen Beschwerden, auf seiner ersten Italienreise fühlt er sich verfolgt von zwei Augenpaaren, die sich, eingebildet oder tatsächlich, an den verschiedensten Orten auf ihn richten und ihn schließlich heimwärts flüchten lassen. Auch auf der zweiten Italienreise zieht Selysses, wie ihm scheint, immer wieder mißbilligende Blicke auf sich. In Mailand: Die Signora, ein fast völlig ausgetrocknetes Wesen von sechzig oder siebzig Jahren, war aus dem Fernsehzimmer hervorgekommen. Skeptisch hielt sie den Vogelblick auf mich gerichtet. In W.: Mit unverhohlener Mißbilligung musterte mich die Wirtin, sei es wegen meiner von der langen Wanderschaft in Mitleidenschaft gezogenen äußeren Erscheinung, sei es wegen meiner ihr unerklärlichen Geistesabwesenheit. Dabei hielt sie, als sei es ihr kalt, mit der Linken die Strickjacke zusammen und erledigte umständlich und ungeschickt alles nur mit der anderen Hand, wodurch sie, wir mir schien, sich Bedenkzeit gewinnen wollte diesem eigenartigen Novembergast gegenüber. Den ausgefüllten Anmeldezettel studierte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. – Die Blicke der Menschen aber sind schwer zu verstehen und werden oft mißverstanden. Luciana Michelotti in Limone verhält sich kaum anders als die Engenwirtin: Mit auffälliger Langsamkeit nahm sie das Registrationsgeschäft vor, blätterte in Verwunderung vielleicht über meine Gleichaltrigkeit mit ihr, in meinem Paß, verglich mehrmals mein Gesicht mit der Photographie, wobei sie mir einmal lang in die Augen schaute, verschloß das Dokument zuletzt bedachtsam in seiner Lade und händigte mir den Zimmerschlüssel aus. Dann aber schaut sie immer wieder von der Theke her aus den Augenwinkeln zu ihm herüber, bleibt, wenn sie den Express mit einem Glas Wasser serviert, eine Weile bei ihm stehen und läßt die Augen über die beschriebenen Blätter gleiten. Einmal ist ihm gewesen, als spürte er ihre Hand auf der Schulter, und dann ist auch schon bald das Terrain für die Trauung vor dem Postenkommandanten Dalmazio Orgiu vorbereitet.
Schwer zu verstehen sind auch die ausbleibenden Blicke. Unterwegs im Zug nach Mailand geht der Blick nicht hinaus auf die Landschaft, sondern auf die Mitreisenden. Von vollendeter Schönheit waren sie beide, dachte ich mir und ich bewunderte den tiefen Ernst, mit dem sie jeweils die Blätter ihrer Lektüre umwendeten. Einmal blätterte die Franziskanerschwester um, dann das junge Mädchen und dann wieder die Franziskanerschwester. So ging es die ganze Zeit fort, auch nur ein einziges Mal mit der einen oder der anderen einen Blick zu wechseln. Hat es keine versteckten Blicke gegeben, oder hatte Selysses, der sich notgedrungen bald auch in sein Buch vertieft, sie nur nicht wahrgenommen? Später, auf der Fahrt den Rhein hinab, wiederholt sich die Situation im Grunde. Die junge Frau aus dem englischen siebzehnten Jahrhundert, Elizabeth, die Tochter James I, war, kaum hatte sie Platz genom­men und in ihrer Ecke sich eingerichtet, auf das tiefste versenkt in ein Buch, welches den Titel Das böhmische Meer trug und verfaßt war von einer mir unbekannten Autorin namens Mila Stern. Für Selysses hat sie offenbar keinen Blick übrig, er trat hinaus auf den Gang. Unbemerkt aber hatte sich die Winterkönigin zu ihm gesellt und stand, das schöne Schauspiel betrachtend, bereits eine längere Weile neben ihm. Zu zweit ist die Landschaft womöglich besser zu verstehen, vor allem dann, wenn eine feenhafte Gestalt in dem Duo vertreten ist. Schließlich sagte sie mit einem kaum wahr­nehmbaren englischen Tonfall in der Stimme und, wie es ihm schien, ganz für sich allein die folgenden Zeilen: Rosen weiß verweht vom Schnee, Schleier schwärzer als die Kräh’, Handschuh weich wie Rosenblüten, Masken das Gesicht zu hüten. Hatte sie ihn aber zuvor nicht doch aus den Augenwinkeln wahrgenommen und sagt sie die Zeilen tatsächlich ganz für sich? Daß er damals nicht zu erwidern wußte, nicht wußte, wie er weiterging, dieser Winter­vers, daß ich, aller inneren Bewegung zum Trotz, nichts herausbrachte, dumm und stumm nur stehenblieb und weiter hinausschaute auf die nahezu vergangene Dämmerwelt, das hat mich seither schon oft sehr gereut und gedauert.
Blicke auf die Landschaft, Blicke auf Dinge, Blickwechsel mit Tieren, mit Menschen, einseitige, oft ablehnende Blicke, versteckte oder verstohlene Blicke, nicht wahrgenommene Blicke, Blicke, die ihr Gegenüber nur schwer finden. Prag: Man mußte sich weit hinabbeugen zu dem viel zu niedrigen Schalter, wenn man mit dem Türhüter sprechen wollte, der allem Anschein nach in seinem Verschlag auf dem Fußboden kniete. Obzwar ich meinerseits bald dieselbe Stellung einnahm, gelang es mir auf keine Weise, mich verständlich zu machen. Ganz ähnlich auf Korsika: Erst als ich unmittelbar vor dem Tresen stand, sah ich, daß dahinter in einem schwarzledernen zurückgekippten Bürosessel eine jüngere Frau saß, ja, beinahe hätte man sagen können, lag. Man mußte förmlich über den Tresenrand zu ihr hinunterschauen. In den USA ist die Schwierigkeit des Blickkontaktes ein wenig anders gelagert: Es dauerte eine beträchtliche Zeit, bis aus dem Inneren des offenbar schon schlafenden Hauses ein greiser Portier herbeikam, der so stark vornübergebeugt ging, daß er mit Sicherheit nicht imstand war, von seinem Gegenüber mehr als die Beine und den Unterleib wahrzunehmen. Aufgrund seiner Behinderung hatte er, bereits vor er sich anschickte, die Halle zu durchqueren, den draußen vor der halbverglasten Türe wartenden späten Gast von unten herauf mit einem kurzen, aber um so durchdringenderen Blick ins Auge gefaßt.

Den Hauptdarstellern und den Komparsen, den Vögeln am Himmel, dem grün bewegten Wald und jedem einzelnen Blatt ist dieselbe, durch nichts geschmälerte Daseinsberechtigung zuzusprechen: die Form der Anwesenheit von Hauptdarstellern und Komparsen in der Prosa ist gleichwohl verschieden. Die Komparsen, mit denen oft nur ein einziger kurzer Blickkontakt bestanden hat, bleiben optisch präsent, eingefroren in den Augenblick wie die stürzende kanariengelbe Dame auf dem Gemälde Lucas van Valckenborchs. Wir unterliegen der Suggestion der Vollständigkeit, als wüßten alles über die sehr schwarze Negerfrau, und wissen doch nur, daß sie, wie die Protagonisten, jederzeit durch Erzählen erlöst werden könnte. Die Protagonisten andererseits sind Menschen, die der Dichter nicht gesehen, oder deren Bild sich verwischt hat. Den Onkel Adelwarth hat Selysses nur ein einziges Mal gesehen, als Kind noch im Jahre 1951. Während wir uns bei den Komparsen ganz auf den optischen Eindruck des Dichters verlassen können und müssen, sind der Schilderung der Protagonisten oft Photos beigegeben, die aber eher verunsichern als stärken. Ambros Adelwarth im orientalischen Gewand entspricht nicht dem Bild, das sich im Fortgang der Lektüre in uns aufbaut, und wie er dasitzt auf der Treppe umrahmt von den Verwandten, läßt uns weniger von ihm erahnen, als wir zu wissen glauben von der Winterkönigin oder der dunklen Frau. Auch an Bereyter hat Selysses unmittelbare eigene Erinnerungen nur aus seiner Volksschulzeit. Die der Erzählung beigegebenen Bilder zeigen den Bereyter aus dieser Zeit und sind nur eine geringe Hilfe beim Aufbau seiner uns vornehmlich interessierenden Gestalt in den späten Jahren als Freund der Mme Landau.

Beim ersten Treffen ist Austerlitz ein beinahe jugendlich wirkender Mann, das Ebenbild des deutschen Helden Siegfried in Langs Nibelungenfilm. Er trägt schwere Wanderschuhe, eine Art Arbeitshose aus verschossenem blauen Kattun und ein maßgeschneidertes, aber längst aus der Mode gekommenes Anzugsjackett. Sein Aussehen wird sich in den folgenden Jahrzehnten nicht verändern, in dieser Hinsicht dehnt sich der erste Blick ins End- und Zeitlose. Die Photos von Austerlitz dem Kind, verkleidet als Page, sowie dem Jugendlichen als Rugbyspieler liegen noch vor diesem über Jahrzehnte hin gedehnten Augenblick und lassen uns ein wenig ratlos. Der Blickwechsel zwischen Austerlitz und Vĕra Ryšanová aber reicht noch weiter. Als die beiden sich nach dreißig Jahren gegenüberstehen, erkennt sie ihn gleich und sie ist für ihn trotz ihrer Gebrechlichkeit im Grunde unverändert. Im Fenster des Antikos Bazar erkennen wir schemenhaft das Gesicht des photographierenden Austerlitz. Uns scheint er weniger dem Siegfried zu ähneln als dem uns bekannten Bild des Dichters in reifen Jahren. In den langen, um das Äußere des anderen unbekümmerten Gesprächen haben die beiden sich offenbar angeglichen.

Menschen, die miteinander sprechen, sind dem Blick des anderen nicht ausgesetzt. Selysses nimmt Austerlitz nur einmal wahr, als Siegfried, daß Austerlitz Selysses überhaupt sieht und wahrnimmt, davon erfahren wir nichts. Auf der ersten Italienreise findet Selysses niemanden, mit dem er sprechen kann und ist schutzlos den wirklichen oder eingebildeten Blicken der anderen ausgesetzt. Malachio dann und Salvatore Altamura dann, die mit ihm sprechen, scheinen ihn visuell so wenig wahrzunehmen wie Austerlitz sie wahrnimmt. In seinem Heimatort W. ist Selysses so gut wie unsichtbar, Lukas Seelos, der einzige, mit dem er sich dann ausführlich unterhalten wird, hält ihn für den eigenen Großvater. Unter dem Bild des Großvaters bewegt Selysses sich unsichtbar wie hinter einer Tarnkappe und zeitenthoben. So wird er uns durch die, Austerlitz mitgerechnet, fünf langen Erzählungen führen. Austerlitz eröffnet mit dem Blick auf die überdimensionierten Augen der Nachttiere. Ihr Blick, wie auch der der allein auf reine Anschauung und reines Denken bedachten Denker und Maler, geht über Selysses hinweg.
Die Frage ist immer die gleiche: Was verleiht Sebalds Prosa ihre Eigenart, ihren Klang, ihre Farbe. Es ist nicht so sehr einprägsame Äußerungen zum Holocaustthema, es sind tausend Dinge, die Formen des Blickverkehrs darunter nicht die geringsten. Würden Austerlitz und Selysses sich bei jedem ihrer zufälligen oder verabredeten Treffen, oft nach langer Zeit, in die Augen sehen, einander sorgfältig betrachten und Bemerkungen austauschen über ihr verändertes oder Komplimente über ihr vorgeblich unverändertes Aussehen, wir wären in einem anderen Buch, vermutlich dem eines geringeren Autors.

Samstag, 1. März 2014

Panorama der Wissenschaften

Sammeln sich die Schatten

Ohne daß die einfachen Leute vergessen wären, bestimmen in Sebalds Prosa die Gebildeten den Ton. Selysses gibt sich zu Beginn der Ringe des Saturn als Kollege von Michael Parkinson und Janine Rosalind Dakyns und damit als Literaturwissenschaftler zu erkennen. Einblick in seine Forschungen erhalten wir nicht, zwar beobachten wir ihn wiederholt beim Schreiben, nehmen aber eher eine dichterische Produktion an. Auch Dakyns und Parkinson erscheinen weniger als rigide Wissenschaftler denn als Enthusiasten der Literatur. Ähnlich wie Prousts Dichter Bergotte Vermeers Kunst in einem kleinen gelben Mauerfleck verwahrt sieht, erkennt Janine Rosalind Dakyns den ganzen Flaubert in einem winzigen Staubkorn. Das Universitätsgelände ist bei Sebald, anders als bei einigen amerikanischen Autoren oder auch bei Nabokow, kein Erzählareal.
An geschichtskundlichen Einsichten, um eine weitere geisteswissenschaftliche Disziplin anzusprechen, fehlt es im Werk nicht, der einzige Wissenschaftler vom Fach ist aber der Architekturhistoriker Austerlitz. Sein ursprüngliches Dissertationsvorhaben ist längst hoffnungslos ausgeufert in Vorarbeiten zu einer ganz auf die eigene Anschauung sich stützende Studie über die Familienähnlichkeiten zwischen den verschiedenen Bauformen der kapitalistischen Ära, Gerichtshöfen und Strafanstalten, Bahnhofs- und Börsengebäuden, Opern- und Irrenhäusern. Austerlitz kann überhaupt nur wenig Gutes in der Architektur entdecken. Wenn er nur die Bauten unter dem Normalmaß der domestischen Architektur - die Feldhütte, die Eremitage, das Häuschen des Schrankenwärters, der Aussichtspavillon, die Kindervilla im Garten - gelten lassen will, so ist das nichts anderes als eine Absage an die Disziplin. Der umfänglichste Fachvortrag, den er Selysses hält, gilt dem militärwissenschaftlichen Festungsbau, ein ganz und gar fruchtloses Unterfangen in der Geschichte, immer waren während des langjährigen Baus einer Festung die offensiven Möglichkeiten über die errechnete defensive Leistung hinausgewachsen.

Sekundiert wird Austerlitz von zwei Dilettanten der Napoleonforschung. Die genaueste Wissenschaft von der Vergangenheit reicht kaum näher an die von keiner Vorstellungskraft zu erfassende Wahrheit heran als, beispielsweise, eine so aberwitzige Behauptung wie die, die mir einmal vorgetragen wurde von einem in der belgischen Hauptstadt lebenden Dilettanten namens Alfonse Huyghens, der zufolge sämtliche von dem Franzosenkaiser in den europäischen Ländern und Reichen bewirkten Umwälzungen auf nichts anderes zurückzuführen waren als auf dessen Farbenblindheit, die ihn Rot nicht unterscheiden ließ von Grün. Je mehr das Blut floß auf dem Schlachtfeld, so der belgische Napoleonforscher zu mir, desto frischer schien ihm das Gras zu sprießen. Das ist die Proklamation des anything goes in den Geschichtswissenschaften. André Hilary, Austerlitz’ Schullehrer, muß einräumen, daß auch die detailliertesten Kenntnisse einer Schlacht wie der bei Austerlitz letztlich doch nur zusammengefaßt werden können in einem lachhaften Satz wie dem: Die Schlacht wogte hin und her. Wir versuchen, die Wirklichkeit zu sehen, und finden doch nur vertraute Bilder wie das des gefallenen Trommlers. Unsere Beschäftigung mit der Geschichte ist eine Beschäftigung mit immer schon vorgefertigten, in das Innere unserer Köpfe gravierten Bildern, während die Wahrheit irgendwoanders, in einem von keinem noch entdeckten Abseits liegt. Wer allenfalls vermag in dieses Abseits gelangen, wenn nicht die Dichter.

Die Gesellschaftswissenschaften* sind, wie die Geschichts- wissenschaften, verborgen im Text, mit dem zentralen Lehrsatz, daß die Dinge sich, Aufklärung hin und Mündigkeit her, nach wie vor über unseren Kopf hinweg vollziehen. Die Philosophie hat ihren Fachvertreter in Wittgenstein, dem unterstellt wird, er wolle das Dunkel, das uns umgibt mit reinem Denken und reiner Anschauung durchdringen. Ob ihm das nun gelingen mag oder nicht, der belastbare Ertrag der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist in der Summe gering.

Selysses hat seit seiner Volksschulzeit in der Klasse Bereyters kaum einen Lehrer gefunden, dem er hatte zuhören können, das Werk atmet, Tonlage und Sprachhaltung zum Trotz, eine Geringschätzung formaler Bildung. Begonnen hatte Selysses seinen Bildungsweg mit Untersuchungen der Mehlkiste im Schlafzimmer der Großeltern, hier hatte er zu Allerheiligen und Allerseelen, den Tagen, die ihm sinnvoller erschienen waren als alle anderen, nach dem verborgenen Geheimnis gesucht. Den begonnenen Weg galt es fortzusetzen. In Nach der Natur ist die zunächst noch ganz und gar amorphe Suche entfaltet und strukturiert, im ersten Teil treffen wir Grünewald, den malenden Gottessucher, im zweiten Teil den Naturforscher Steller, zwei Wege, die Selysses, dem der dritte Teil vorbehalten ist, nicht einschlägt, die er aber im Auge behält.

Bei der Geburt der modernen Naturwissenschaften sind wir dabei, wenn wir Rembrandts Bild von der Prosektur des Dr. Tulp betrachten. Zweifellos handelte es sich einesteils um eine Demonstration des unerschrockenen Forschungsdrangs der neuen Wissenschaft, andernteils aber, obzwar man das sicher weit von sich gewiesen hätte, um das archaische Ritual der Zergliederung eines Menschen, um die nach wie vor zum Register der zu verhängenden Strafen gehörende Peinigung des Fleisches des Delinquenten bis über den Tod hinaus. Daß es bei der Amsterdamer anatomischen Vorlesung um mehr ging als um die gründliche Kenntnis der inneren menschlichen Organe, dafür spricht der an Rembrandts Darstellung ablesbare zeremonielle Charakter der Zerschneidung des Toten. Um die Biologie und speziell auch die Ichthyologie ist es nicht besser bestellt als um die Medizin. Erstaunlich ist die Lebenskraft des Herings, hatte doch ein gewisser Neucrantz in Stralsund mit großer Genauigkeit die letzten Zuckungen eines vor einer Stunde und sieben Minuten aus dem Wasser geholten Herings registriert, ein Franzose namens Noel Marinière hatte eines Tages gar staunend wahrgenommen, wie ein paar Heringe, die schon zwei bis drei Stunden auf dem Trockenen lagen, sich noch rührten und hatte, um die Lebensfähigkeit dieser Fische genauer zu erkunden, ihnen die Flossen abgeschnitten, eine der üblichen von unserem Wissensdrang inspirierte Prozeduren. Von den Gefühlen des Herings aber wissen wir bis heute in Wahrheit nichts, und auch, was die Makrelen anbelangt, sind die Zusammenhänge zwischen ihrem Leben und Sterben und dem der Menschen weitaus komplizierter, als wir erahnen.
Die Ingenieurwissenschaften sind vertreten durch die Herren Herrington und Lightbown, die um 1870, als bereits allenthalben an Projekten zu einer totalen Illumination unserer Städte gearbeitet wurde, versucht haben, aus der von den toten Heringen ausgeschwitzten luminösen Substanz die Formel zur Erzeugung einer organischen, sich fortwährend von selber regenerierenden Lichtessenz abzuleiten. Das Scheitern dieses exzentrischen Planes war ein kaum nennenswerter Rückschlag in der sonst unaufhaltsamen Verdrängung der Finsternis. Anders als das Hochschulgelände wird eine ingenieurwissenschaftliche Forschungseinrichtung zum Erzählgebiet, allerdings eine aufgelassene und auf seltsame Weise verzauberte, gleichsam rückfällige und dann doch wieder zukunftsweisende Anlage. Die ringsum mit Unmengen von Steinen zugeschütteten Betongehäuse, in denen Hundertschaften von Technikern an der Entwicklung neuer Waffensysteme gearbeitet hatten, nahmen sich aus der Entfernung wie Hügelgräber aus. Der Eindruck, daß ich mich auf einem Areal befand, dessen Zweck über das Profane hinausging wurde durch mehrere tempel- oder pagodenartige Bauten. Je näher ich aber den Ruinen kam, desto mehr verflüchtigte sich die Vorstellung von einer geheimnisvollen Insel der Toten und ich wähnte mich unter den Überresten unserer eigenen, in einer zukünftigen Katastrophe untergegangenen Zivilisation.

Top right an angel hovering, top left the attendance of a star. Die im Werk am besten vertretene Naturwissenschaft ist die Astronomie. Der Astrophysiker Malachi ist gewohnt, alles aus der größten Entfernung sieht, nicht nur die Sterne, viel nachgedacht har er in letzter Zeit aber über die Auferstehung und zumal über den Satz, demzufolge unsere Gebeine und Leiber von den Engeln dereinst übertragen werden in das Gesichtsfeld Ezechiels. How shall we sing the Lord’s song in the land of the electron. Gerald Fitzpatricks besonderes Interesse gilt dem Adlernebel, riesigen Regionen interstellaren Gases, die sich zu gewitterwolkenartigen, mehrere Lichtjahre in den Weltraum hinausragenden Gebilden zusammenballen und in denen, in einem unter dem Einfluß der Schwerkraft ständig sich intensivierenden Verdichtungsprozeß ständig neue Sterne entstehen, eine wahre Kinderstube von Sternen. Gerald versucht, die sinnlose Weite des Universums mit dem anthropomorphen Bild der Kinderstube unserem Sinn zugänglich zu machen, auch in seinem Fall also ein Verzicht auf den kalten Blick der Forschung.

Austerlitz, kein Astronom aber dem Ideal des Universalgelehrten nahe, gerät in der Sternkammer in Greenwich in kosmischen Grübeln, weniger den Raum als die Zeit betreffend. Der Unterschied ist vielleicht zu vernachlässigen, werden die Weiten des Alls doch mit einem Zeitmaß in Lichtjahren gemessen. Überhaupt ist die Zeit von allen unseren Erfindungen die weitaus künstlichste. Was heißt es, daß die Stunden des Lichts der Dunkelheit im gleichen Kreis angezeigt werden? Warum steht die Zeit an einem Orte ewig still und verrauscht und überstürzt sich an einem anderen? Die Toten sind außer der Zeit, die Sterbenden und die vielen bei sich zu Hause oder in den Spitälern liegenden Kranken, und nicht nur diese allen, genügt doch schon ein Quantum persönlichen Unglücks, um uns abzuschneiden von jeder Vergangenheit und jeder Zukunft. Austerlitz’ Schüler Selysses sehnt sich in Ajaccio danach, eine der steinernen Burgen zu beziehen, um sich fortan nichts anderem zu widmen als dem Studium der vergangenen und der vergehenden Zeit.
Im Schatten der dem menschlichen Maß inkompatiblen Ergebnisse astrophysikalischer Forschung gedeiht weiter die Astrologie. Die Mutter nahm dies als gutes Zeichen, nicht ahnend, daß der kalte Planet Saturn die Konstellation der Stunde regierte, und später erschien mir dann, als ob der alte Aberglaube, daß bestimmte Krankheiten des Gemüts und des Körpers mit Vorliebe unter dem Zeichen des Hundssterns in uns festsetzen, möglicherweise seine Berechtigung hat. Die Mathematik erscheint überhaupt nur als Zahlenmystik, die Wirkung der Zahl Dreizehn etwa, Datumskoinzidenzen. Insgesamt kann die Wissenschaft die beanspruchte Rolle, Fundament des menschlichen Lebens in der Neuzeit zu sein, nicht im erwarteten Umfang erfüllen. Wo andere Fortschritt wahrnehmen, sieht der Dichter statische Blähungen, belanglos oder nicht zum Guten. Selysses’ Reisen und Wanderungen sind immer Kreisbewegungen, letztlich Stillstand. Statische Dichtung, vor meinem Fenster liegt ein Tal darin sammeln sich die Schatten, zwei Pappeln säumen einen Weg. Die Geheimnisse der Mehlkiste sind nicht gelüftet, aber wir fühlen uns längst beteiligt an der fortdauernden Suche.